Mit einer wissenschaftlichen Matinee verabschiedet der KV den langjährigen Leiter der Historischen Kommission
Mit einer wissenschaftlichen Matinee am Samstag, dem 11. Oktober 2025, auf dem Haus des K.St.V. Arminia Bonn hat der KV einen Kartellbruder geehrt, der sich sein ganzes akademisches Leben für den KV eingesetzt und mit seiner Arbeit als Historiker Maßstäbe gesetzt hat: Kb Dr. Wolfgang Löhr.
Im Alter von 87 Jahren hat er bei der letzten VV in Bautzen/Schmochtitz im Mai 2025 sein Amt als Leiter der Historischen Kommission an einen jüngeren Kartellbruder, an Benjamin Traber (Lu, Bf), weitergereicht. Die Tatsache, dass so viele Kartellbrüder an diesem Samstagvormittag nach Bonn ins Arminenhaus gekommen waren, zeigt, wie sehr Wolfgang Löhrs Einsatz im ganzen KV geschätzt wird.
Wolfgang Löhr kam am 31. Januar 1938 in Viersen zur Welt, studierte in Bonn und Fribourg in der Schweiz Geschichte, Romanistik und Philosophie, wurde in Bonn beim K.St.V. Arminia, in Fribourg beim K.St.V. Carolingia-Fribourg aktiv. Nach der Promotion in Bonn wurde er beim Bundesarchiv in Koblenz und auf der Archivschule in Marburg zum Archivar ausgebildet, als Stadtarchivar baute er in den 34 Jahren seines beruflichen Wirkens das Archiv der Stadt Mönchengladbach auf und wurde damit auch überregional bekannt. Er durchsuchte Archivmaterial, das niemand vor ihm zu sehen bekommen hatte, als „Detektiv der Geschichte” machte er Geschichte spannend und erlebbar, er räumte mit Legenden auf und schloss Wissenslücken in Mönchengladbachs Stadtgeschichte. Zwei Dutzend Bücher hat Kb Dr. Wolfgang Löhr geschrieben, herausgegeben und mitgeschrieben. Weit über dreihundert Aufsätze hat er veröffentlicht und mehrere Hundert Buchrezensionen verfasst. Er kennt sich nicht nur in der Geschichte des Rheinlands, sondern auch in der Geschichte des Kartellverbands bestens aus und ist für den KV damit ein Glücksfall.
Als wenn seine berufliche Leistung als Stadtarchivar nicht schon anspruchsvoll und ausfüllend genug gewesen wäre und ihresgleichen sucht, hat sich Wolfgang Löhr noch im KV und in weiteren Vereinigungen eingesetzt und wurde zu einer der „Säulen des KV”. Denn „gefühlt” gehörte er schon immer dazu. „Dass wir hier stehen ist auch der Tatsache geschuldet, dass wir uns den KV ohne Wolfgang Löhr eigentlich kaum vorstellen können - „zumindest „jüngere” Leute wie ich”, meinte KV-Ratsvorsitzender Dr. Markus Wittenberg, mittlerweile auch schon über vierzig Jahre lang KVer, schmunzelnd in seiner Begrüßungsansprache. „Wenn man mir 1981 gesagt hätte: „Ad 1: Du wirst auf dem Arminenhaus in mehr als vierzig Jahren einmal eine Rede halten. Und ad 2: Wolfgang Löhr wird dann immer noch im KV aktiv sein, hätte ich das damals für völlig ausgeschlossen gehalten.”
Tatsächlich verlieren sich, nicht ungewöhnlich für einen Historiker, die Anfänge manches Wirkens von Wolfgang Löhr für den KV „im Nebel der Geschichte”. Aus dieser Zeitschrift, den Akademischen Monatsblättern, lasse sich zumindest nicht ermitteln, wann Wolfgang Löhr mit dem Amt des Leiters der Historischen Kommission betraut wurde, irgendwann zwischen 1972 und 1981 müsse es gewesen sein, hob Markus Wittenberg hervor. „Altherrenbundsvorstand warst Du von 1973 bis 1993, Philistersenior von 1982 bis 1992, von 1993 bis 2005 KV-Ratsvorsitzender, Schriftleiter der AM von 2004 bis 2016 und, als Lebensaufgabe Mit-Herausgeber des Biographischen Lexikons des KV.” Und 2011 wurde er, als vorerst letzter Träger, mit der Georg-von Hertling-Medaille geehrt, die an KVer verliehen wird, die bewusst außerhalb des Verbandes ihre christlich-katholische Überzeugung glaubwürdig vorgelebt haben. Dafür stehen etwa seine Präsidentschaften der Katholischen Akademikerarbeit Deutschlands (KAD), der Deutschen Gesellschaft für Studentengeschichte, aber auch seine Mitgliedschaft in der Gesellschaft katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP), die, seitdem das KV-Sekretariat ihre Verwaltungsarbeit übernommen hat, beim KV untergekommen ist. All dieses Engagement wäre ohne die Hilfe einer „starken Frau”, die ihm den Rücken freihielt und im Hintergrund half - angefangen bei der Korrekturarbeit für die AM - nicht möglich gewesen, sagte Markus Wittenberg und bezog Wolfgang Löhrs Ehefrau Birgit mit einem Blumenstrauß in den Dank des ganzen Verbands mit ein.
Wahrscheinlich werde es schwerfallen, über Wolfgang Löhr einmal eine Biographie zu schreiben, „weil er in so vielen Themenfeldern zu Hause ist, das kann einer allein kaum überschauen”, sagte sein Bundesbruder Dr. Michael F. Feldkamp (Arm, Gst, E d Ask-Bg, Smn) in seiner Festansprache. „Wolfgang Löhr hat, wie auch Adenauer es für sich einmal formuliert hat: „bei Arminia studiert.” 1959 eingetreten, war schon sein älterer Bruder Mitglied der Armimia: Stets gesellig, war Wolfgang Löhr immer in der ersten Reihe dabei. Mit Theodor Schieffer, Konrad Repgen und Paul Egon Hübinger, seinem Doktorvater, waren drei renommierte Historiker Arminen. Was aber die Mitgliedschaft bei Arminia für einen Historiker in den 1950er und 1960er Jahren hochspannend machte, war die Tatsache, „dass einer unserer Bundesbrüder Bundeskanzler war: es war Konrad Adenauer, später sollte noch Kurt Kiesinger folgen.” Die Kanzlerverbindung im Rücken zu haben, Politik mitzuerleben und zu sehen, wie die Politik von heute schon morgen Geschichte ist - dies sei für einen Historiker eine großartige Herausforderung, sagte Michael F. Feldkamp und habe auch dazu geführt, dass Wolfgang Löhr nicht, wie ursprünglich vorgesehen, Lehrer wurde, sondern in die Wissenschaft, in die Forschung ging. Als Stadtarchivar von Mönchengladbach gelangte er dabei in eine entscheidende Funktion: Umfasste das Archiv der Stadt Mönchengladbach doch auch umfassende Quellen des Volksvereins für das katholische Deutschland, den „Nucleus der gesamten Katholizismus-Forschung bis in die Weimarer Zeit hinein”. - „Ob Heinrich Brauns, der langjährige Arbeitsminister in der Weimarer Republik, ob Heinrich Brüning, Carl Sonnenschein oder unser Mitglied Reichskanzler Marx - sie haben alle in diesem Verein „ihre” Karriere begonnen,” sagte Michael F. Feldkamp. „Und in dem Augenblick, in dem Wolfgang Löhr dieses Archiv übernahm, war er verantwortlich für diesen zentralen Archivbestand der Katholizismusforschung in Deutschland.”
„Du hast viele Geschichtsstudenten gefördert. Du hast eingeladen nach Mönchengladbach”, sagte Michael F. Feldkamp zu Wolfgang Löhr. „Und bei aller Arbeit hast Du Dich nie selbst in den Mittelpunkt gestellt, sondern immer um die Sache gerungen, was auch Deine Arbeit als Historiker stets ausgezeichnet hat.” Die Früchte dieser Arbeit in der Historischen Kommission des KV seien die Arbeit des Arminen Prof. Dieter Binder zum ÖKV, eine Geschichte des KV und die sieben Bände des KV-Lexikons mit den Biographien so unterschiedlicher Persönlichkeiten wie Franz Hitze oder Martin Spahn. Sicherlich werde Wolfgang Löhr mit seinem Lebenswerk eines Tages in einem weiteren Band des KV-Lexikons auch porträtiert werden - aber bis dies nötig sei, „lass Dir bitte noch viel Zeit”, meinte Michael F. Feldkamp augenzwinkernd.
Bewegt dankte Wolfgang Löhr für die ehrenden Worte, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass er sich damit nicht aus der Mitarbeit im KV zurückziehe. Sicherlich auch nicht aus der Mitarbeit an den Akademischen Monatsblättern, möchte man an dieser Stelle ergänzen und auf die Rezension von Wolfgang Löhr hinweisen, die sich auf den Seiten 331-333 mit einem „anderen großen KVer” befasst: mit Kb Ernst Wolfgang Böckenförde.
R.N.
