Gemeinsam Denken. Glauben. Haltung zeigen

Glanzvolles Philisterfest des K.St.V Markommania Münster - Aktivensenior stud. iur Erik Seepe betont Prinzipien als Anker in bewegten Zeiten

Mit seinem Philisterfest am letzten Januarwochenende leitete einer der größten Vereine des Kartellverbands ein Jubeljahr ein, das sicherlich noch manche Überraschung bereithalten wird. Der K.St.V. Markomannia, am 9. Februar 1901 in Münster gegründet, entstand durch die Teilung des ältesten Münsteraner KV-Vereins, des K.St.V. Germania. Markommanias Wahlspruch lautet „Viriliter Age!” („Handle mannhaft!”), die Farben sind schwarz-gold-rot. 
Den Auftakt des Philisterfestes bildete am Freitag, dem 26. Januar, ein gut besuchter Kommers auf dem Markomannenhaus in Münsters Kampstraße. Viele Bundesbrüder, Gäste und Freunde der Markomannia kamen zusammen, um Gemeinschaft, Geschichte und studentisches Brauchtum lebendig werden zu lassen. Die feierliche Atmosphäre, geprägt von Gesang, Reden und Markommanias verbindendem Geist, machte den Abend zu einem eindrucksvollen Beginn des Festwochenendes - was sich auch in der feierlichen Rezeption neuer Füchse und Burschen zeigte. Am Samstag wurde auf dem Festball im Zwei Löwen Club in stilvollem Ambiente ausgelassen getanzt. Elegante Abendgarderobe, flotte Rhythmen und angeregte Gespräche verliehen dem Abend Glanz und unterstrichen Markomannias Tradition und Vitalität.
Den feierlichen Abschluss bildete am Sonntag der Festgottesdienst im St.-Paulus-Dom, zelebriert von Münsters Diözesanadministrator, Kb Dr. Dr. Antonius Hamers (Wh, Rhein, Mk). Man hielt inne, sagte Dank. Mit einer Matinee im Markomannenhaus klang das Wochenende danach gesellig aus. Ein harmonischer Ausklang dreier Tage, die Gemeinschaft, Freundschaft und Verbundenheit eindrucksvoll zum Ausdruck brachten. 

Werte, die tragen – auch gegen den Trend

Was Münsters Markomannnen besonders verbindet, brachte Markomannias Aktivensenior stud. iur. Erik Seepe in seiner Prinzipienrede auf dem Festkommers am Freitag auf den Punkt: Nicht undramatisch knüpfte er dabei bei Marcus Tullius Cicero an, der mit seinem Ausruf „O tempora, o mores!” nicht nur in seinen Anklagereden gegen den korrupten Statthalter Gaius Verres den Verfall von Sitte und Anstand im alten Rom beklagt hatte. Auch Erik Seepe machte eine Krise unserer Gesellschaft aus. Weniger äußere Bedrohung, als innere Erosion gefährde den sozialen Zusammenhalt.
Das Vertrauen in öffentliche Institutionen schwinde, auch wenn diese weiter bestehen. Moralische Entrüstung präge den öffentlichen Diskurs, sachliche Argumente dagegen rückten in den Hintergrund. Wer von gängigen Deutungsmustern abweiche, müsse mit rascher Etikettierung rechnen. Nicht das bessere Argument gewinne, sondern häufig das lautere. „Wenn wir uns überlegen, was uns von dieser Entwicklung unterscheidet”, so Erik Seepe, „dann stoßen wir schnell auf unsere Prinzipien religio, scientia und amicitia an. Seit 250 Couleursemestern halten wir diese Prinzipien hoch.” Denn sie seien ein Anker in unserer bewegten Zeit: „Religion ist für uns mehr als gelebtes Ritual. Der christlich-katholische Glauben ist das tragende Fundament unseres Handelns. Wo gesellschaftliche Strömungen und wechselnde Moden Haltlosigkeit erzeugen, bringt uns der Glaube Orientierung. Denn der Glaube ist kein Produkt vergangener Zeiten, er ist Antwort auf den Menschen selbst. Die äußeren Umstände mögen sich geändert haben. Die Kernfragen der menschlichen Existenz jedoch bleiben.”

Orientierung, die Rückgrat schafft

Nächstenliebe, Menschenwürde und Solidarität seien keine überholten Begriffe, sondern weiterhin aktuell – weltweit würden Menschen für sie eintreten. Der Glaube erinnere zudem daran, dass Respekt und Maß nicht beliebig verhandelbar seien. Die bedingungslose, liebende Annahme des Menschen durch Gott verpflichte, verbindend statt ausgrenzend zu handeln.
Auch im Verhältnis von Religion und Wissenschaft setzte Erik Seepe einen Akzent. Die verbreitete Gegenüberstellung beider Sphären greife zu kurz. Wissenschaft sei nicht bloß ein Instrument zur Erklärung der Welt, sondern die kritische Auseinandersetzung mit ihr. Dabei kämen im K.St.V. Markomannia, so der Aktivensenior „auf fast schon einzigartige Weise die verschiedensten Fachrichtungen zusammen. Wir hinterfragen die Wirklichkeit im offenen Diskurs. Bei uns stehen Argumente im Mittelpunkt, nicht die Moralkeule. Wilhelm von Humboldt erkannte früh, dass die Freiheit des Denkens die Voraussetzung jeder Wissenschaft ist. Wo heute überhaupt noch diskutiert wird, geschieht dies häufig über Nebenfragen. Man streitet über Form, nicht über Substanz. Für uns aber lebt Wissenschaft nicht von moralischer Etikettierung und Genderkorrektness, sondern von geistiger Klarheit.”

Diskurs schafft Klarheit Und Haltung

Bildung dürfe nicht in immer engerer Spezialisierung aufgehen. Wissen sei ein Ganzes; wer es zersplittere, verliere den Blick für Zusammenhänge. Der Anspruch umfassender Bildung gehe jedoch in vielen Studiengängen zunehmend verloren, was eher zu Abgrenzung als zu Verständigung führe. Wo aber Studiengänge nicht miteinander, sondern gegeneinander um die Wahrheit ringen, entstehe Feindschaft, nicht Gemeinschaft. Markomannia dagegen pflege die Freundschaft als weiteres Prinzip: „Sie verbindet uns über Fächer- und Altersgrenzen hinaus und ist Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung.” Freundschaft bedeute Verlässlichkeit, gegenseitige Unterstützung und die Bereitschaft, füreinander einzustehen. Dazu gehöre auch konstruktive Kritik, verstanden nicht als Angriff, sondern als Beitrag zur persönlichen und gemeinschaftlichen Weiterentwicklung. Aus dieser Verbundenheit erwachse Verantwortung – für die Korporation ebenso wie für Gesellschaft und Gemeinwesen.
Der Rückgriff auf Cicero diente schließlich als Appell. Der Zerfall von Werten beginne nicht erst mit dem Scheitern von Institutionen, sondern mit dem Schweigen des Einzelnen. Religio, scientia und amicitia seien daher alles andere als ein nostalgisches Programm, sondern ein zukunftsgerichteter Auftrag. Sie sollen Orientierung geben und befähigen, auch gegen vorherrschende Strömungen Haltung zu zeigen. Denn, so die zentrale Botschaft der Rede: Zeiten ändern sich – Haltung bleibt.

R.N.