KV-Ehrenring für Bernd-Wolfram Vierkotten
In einem Festakt im Rahmen der 55. KV-Tage in Würzburg hat am Abend des 25. Januar der Vorsitzende des KV-Rats, Dr. Markus Wittenberg, den Ehrenring des KV an Bernd-Wolfram Vierkotten, Ehrenphilister des K.St.V. Winfridia-Köln, verliehen. Der feierliche Akt verband Rückblick, Dankbarkeit und die Würdigung eines Lebenswerks, das über vier Jahrzehnte hinweg die Winfridia-Köln und damit auch den Kartellverband geprägt hat.
Kb Dr. Markus Wittenberg stellte die Ehrung in einen größeren historischen Zusammenhang: „In alter Zeit kannte der KV den Ältesten des KV – eine Bezeichnung, die heutzutage kaum mehr erklärbar ist“, eröffnete er seine Ansprache. Vielleicht finde sich davon noch etwas im Begriff des „elder statesman“. Im Verband habe diese Charakterisierung etwa auf Kb Fred Krämer von der Normannia-Würzburg gepasst.
Neben wissenschaftlichen Auszeichnungen wie dem Carl-Sonnenschein-Gedächtnispreis kenne der KV zwei Ebenen der Ehrung für Alte Herren. Die Georg-von-Hertling-Medaille würdige Persönlichkeiten, die in Politik, Staat, Gesellschaft oder Kirche Hervorragendes geleistet hätten – so wie Georg von Hertling, der als erster katholischer Reichskanzler zur gesellschaftlichen Aufwertung der deutschen Katholiken nach Jahren des Kulturkampfs beitrug. Zu den Geehrten zählten unter anderem Papst Benedikt XVI., Alfons Goppel oder Ernst-Wolfgang Böckenförde.
Ein Preis mit besonderem Anspruch
Der KV-Ehrenring hingegen habe einen anderen Akzent. Die Zahl seiner lebenden Träger sei auf sieben begrenzt – „das soll die Besonderheit dieses Preises ausdrücken“. Ausgezeichnet würden Kartellbrüder, „die im Verband vielleicht nicht in der ersten Reihe stehen, doch Unglaubliches geleistet haben“: in ihren Korporationen, durch Vorbild, durch Standards, durch treue und nachhaltige Arbeit.
Mit einem augenzwinkernden Blick auf die bisherigen Preisträger – deren Nachnamen sämtlich mit „K“ beginnen – stellte Kb Wittenberg fest, dass auch Vierkotten zumindest „in der zweiten Silbe ein K“ trage. Da er zudem im Kölner KV (KVK) tief verwurzelt sei, genüge er „den nicht-kodifizierten Regeln des Althergebrachten“.
Die Laudatio hielt Kb Reinhard Elzer, langjähriger Weggefährte des Geehrten. Er spannte den Bogen zurück in die Studienzeit Ende der 1960er Jahre an der Universität zu Köln. „KVer sein ist ein Lebensgefühl“, zitierte er aus dem KV-Jahrbuch – und ergänzte: „nicht minder Winfride in Köln.“
Als beide 1968 ihr Studium aufnahmen, war die Zeit politisch aufgeladen. „Unter den Talaren der Muff von tausend Jahren”- so skandierten viele Studenten ihren Protest gegen das damalige Hochschulsystem. In Köln hatten protestierende Studenten das Rektorat besetzt und das Hauptportal mit der Inschrift „Rosa-Luxemburg-Universität“ versehen. Über Nacht wurde daraus „Radio-Luxemburg“ – „ein Sinnbild für den Rheinländer, in Sonderheit für den Kölner, dessen Leitmotiv nicht unbedingt im Ernst besteht“. In dieser rheinisch-kölschen Grundhaltung hätten auch er und Bernd Vierkotten ihre Wege ausgerichtet – privat wie korporativ.
Früh begegneten sie sich bei Veranstaltungen der Kölner KV-Vereine. „Das waren damals sieben, heute leider nur noch sechs KV-Vereine. Man wählte einen Vorstand, der koordinierte, die Organisation der Veranstaltungen lag bei den Vereinen. Das ermöglichte die Durchführung auch größerer Events, etwa Sommerfeste auf dem Rhein, „eine Riverboat Shuffle“ mit über 120 Kartellbrüdern oder Stadt-Rallyes, bei denen es „nicht auf PS, sondern auf Köpfchen“ ankam. Es waren „schöne Jahre, geprägt von studentischer Leichtigkeit und ernsthaftem Studium“.
1970/71 nahmen beide an den Reform-Vertreterversammlungen des KV teil, bei denen die historische Satzungsänderung beschlossen wurde, künftig auch evangelische Christen – als Ausnahme – aufnehmen zu können. „Ein wenig stolz bin ich auch darauf, dass ich als Mitglied des Satzungsausschusses daran mitwirken durfte“, sagte Reinhard Elzer.
Vierzig Jahre Philistersenior
1985 wurde Bernd-Wolfram Vierkotten zum Philistersenior der Winfridia gewählt – ein Amt, das er vierzig Jahre lang ausübte. Für Reinhard Elzer ist das „ein Beweis großen Vertrauens, das Du Dir durch Kompetenz und Engagement erworben hast“. Im selben Jahr wurde auch Reinhard Elzer gewählt: aber, meinte er augenzwinkernd, „nur” zum Philister-Consenior der Rheinpfalz. „Sei´s drum!”, fügte er hinzu: „Auf diese Weise sind wir uns wieder begegnet: auf Veranstaltungen des Kölner Zirkels „Häus´chen” oder des Verbandes, des KV. Und zehn Jahre später, da warst Du schon ein „Altgedienter”, da hast Du mich als den Neuen im Club der Kölner Philistersenioren begrüßt. Diesen Zehn-Jahres-Vorsprung konnte ich nie aufholen, zumal du mich zuletzt noch um vier Jahre „überlebt” hast. In den 25 gemeinsamen Jahren als Philistersenioren haben wir stets Hand in Hand gearbeitet, ohne lange Absprachen, einfach, weil wir Gleichklang im Denken und Handeln intuitiv gespürt und geübt haben. Und wir hatten das Glück, mit den anderen Kölner Philistersenior-Kollegen gute Partnerschaft zu halten. Auf Verbandsebene konnten und haben wir auf Hauptausschuss-Sitzungen und Vertreterversammlungen stets im Gleichklang der Meinungen die Abstimmungen erlebt. Das hat gut getan.”
Formal sei Bernd-Wolfram Vierkotten bei Winfridia-Köln „nur“ Chef der Altherrenschaft gewesen, in der Praxis aber „pater familias des gesamten Vereins: ein väterlicher Freund der Aktiven, ein Vordenker und Vorreiter für alle“. Bernd habe stets gewusst, „was Winfridia gut tut und wie die Weichen für die Zukunft zu stellen seien“. Auch wenn er bisweilen „etwas nachdrücklicher argumentieren“ musste, habe er immer das Wohl der Bundesbrüder im Blick gehabt.
Besonders prägend waren die Winfriden-Tage, wechselnde Treffen an verschiedenen Orten, die Gemeinschaft und Kultur verbanden. Hinzu kamen Winfriden-Reisen ins europäische Ausland, die viele Jahre großen Zuspruch fanden, sowie die traditionsreichen Weinproben in Dernau an der Ahr. „Aus einer Ausflugsveranstaltung 1965 machte die Begeisterung - und vielleicht auch der böse Weingeist - eine Dauereinrichtung, die Du selbstverständlich gerne fortgesetzt hast. Selbst der Tod des Winzers oder die Flutkatastrophe 2021 hat dem kein Ende gesetzt: Die Tochter des Winzers hat gerne die Nachfolge ihres Vaters angetreten.”
Ein fester Bestandteil des Semesterlebens waren die Vorstandsessen im Hause Vierkotten in Frechen – „nicht nur schmackhaft und nahrhaft, sondern auch im gemütlichen Ambiente“, ermöglicht durch den unermüdlichen Einsatz seiner Frau Erika, der „Mutter Winfridiae“.
Chronist und Archivar
Ein weiteres Vermächtnis sind die „Winfridenblätter“, ein seit Jahrzehnten erscheinendes Kompendium des Vereinslebens. Bernd-Wolfram Vierkotten habe sie „zu einem detaillierten Abbild des Lebens in der Winfridia gemacht“. In ihrer Gesamtschau seien sie „ein Geschichtsbuch, zugleich auch ein schönes Geschichtenbuch“. Mit unzähligen Fotos dokumentierte sie Ereignisse, Ehrungen und Begegnungen.
Darüber hinaus baute er ein umfangreiches Archiv mit über hundert Ordnern auf. Das zuvor „ungeordnete Stückwerk auf dem Dach des Winfriden-Hauses“ hatte ihm keine Ruhe gelassen. In akribischer Arbeit sichtete und sortierte er das Material – ein Einsatz, „den wohl keiner wirklich ermessen kann“. Die Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum 2013 gilt als sichtbare Krönung dieses Engagements.
„Ein KVer, wie man ihn sich nur wünschen darf”
Reinhard Elzer zog ein persönliches Fazit: „Bernd-Wolfram Vierkotten ist mehr als „nur” ein verdienter Kartellbruder. Er ist ein KVer, wie man ihn sich nur wünschen darf, weil er in keinem Buche steht.“ Ein Winfriede „mit Herz, Seele und Verstand“, ein Freund, „den man einfach mögen muss“.
Auch Daniel Odenthal, sein Nachfolger als Philistersenior, würdigte die Persönlichkeit des Geehrten. Bernd-Wolfram Vierkotten sei immer da gewesen, „wo Zusammenhalt gebraucht wurde“. Er habe gewusst, „wo jeder einzelne Winfride in seinem Leben steht“. Seine Art sei nie fordernd gewesen; er habe jedem das Gefühl gegeben, „dass er richtig ist und dass jeder etwas beitragen kann“.
Besonders eindrücklich war Odenthals Bild: „Er war nie die Stichflamme, die kurz und grell aufleuchtet, er war das Lager-feuer, das Wärme spendet, beständig leuchtet und bei dem wir immer wieder zusammengekommen sind.“ Verantwortung habe er so verstanden: „nicht alles zu tun, sondern das zu tun, was man kann.“
Harald Stollmeier, Vorsitzender des Altherrenbundes, ergänzte eine weitere Facette: „Ein Verbandsamt zu haben, ist ein Privileg.“ Wann immer er zum KV komme, sei das Ehepaar Vierkotten bereits da – stets mit den Worten: „Herzlich willkommen!“ Selbst vor schwierigen Situationen habe Vierkotten nicht Halt gemacht; so habe er auch einen Bundesbruder im Gefängnis besucht. „Solche KVer werden nicht mehr ‚gebaut‘, aber vielleicht schenkt uns Gott ab und zu mal welche.“
Dankbarkeit und Demut
In seiner Antwort sprach Bernd-Wolfram Vierkotten mit spürbarer Rührung. „Alles hat seine Zeit“, begann er. Es wäre anmaßend, alle Stationen seines KV-Lebens aufzuzählen; wichtiger sei der Dank. „Danke an Gott, dass er mir Gesundheit, Ausdauer und Mut geschenkt hat, das Amt des Philisterseniors vierzig Jahre lang zu erfüllen.“
Die Ehrung verstehe er auch als Anerkennung für die gesamte Winfridia. Besonders dankte er seiner Frau: „Ohne Erika hätte ich das Amt nicht ausüben können.“ Dank richtete er an seinen Biervater Theo Küpper, der ihn 1968 in die Verbindung eingeführt habe – die Eine-Mark-Münze aus jener Zeit bewahre er noch heute im Bierzipfel auf.
Mit Blick auf sein Ausscheiden nach vierzig Jahren sagte er, er gehe „mit einem weinenden, aber auch, das sei mir verziehen, einem lachenden Auge“. Winfridia und der KV hätten einen Großteil seines Lebens geprägt. Den Aktiven und zukünftigen KVern gab er mit auf den Weg: „Setzt eure Zuversicht in Gott, pflegt das Vertrauen untereinander und das Engagement miteinander!“
Ein Zeichen für den Verband
Mit der feierlichen Verleihung des Ehrenrings würdigte der KV nicht nur eine außergewöhnliche persönliche Leistung, sondern ein gelebtes Verständnis von Gemeinschaft, Treue und Verantwortung. Der Kartellverband betonte in der offiziellen Urkunde, man ehre damit „sein besonderes und treues Engagement im und für den KV über viele Jahre hinweg“ sowie seine „Prägung einer besonders familiären Atmosphäre zwischen Aktiven und Alten Herren“.
Passend zur Ringverleihung stimmte das Duo Marol das Lied „Tico“ an, das eine Goldammer besingt – ein heiterer Abschluss eines bewegenden Abends.
Der KV-Ehrenring an Bernd-Wolfram Vierkotten ist damit mehr als eine persönliche Auszeichnung. Er ist ein Zeichen dafür, dass beständige, oft leise geleistete Arbeit, die „Treue im Kleinen”, das Fundament des Verbandes bildet. Oder, wie es in den Worten seiner Weggefährten anklingt: Nicht die schnelle Flamme, sondern das verlässliche Lagerfeuer hält Gemeinschaft lebendig.
Reinhard Nixdorf (Nm-W)

