Lehrkräfte für Demokratie und Menschenrechte
Haltung zeigen – Der Siegburger Konsens als Weiterführung der Diskussion um politische Bildung und Weiterentwicklung des Beutelsbacher Konsenses
Die 55. KV-Tage in Würzburg standen unter dem Eindruck wachsender Herausforderungen für die Demokratie. In diesem Zusammenhang erinnerte Prof. Dr. Siegfried Frech in seinem Vortrag über den Beutelsbacher Konsens daran, dass politische Bildung nicht mit falsch verstandener Neutralität verwechselt werden darf. Lehrkräfte sind nicht zur Gleichgültigkeit verpflichtet, sondern tragen Verantwortung für die Verteidigung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung.
Gerade diese Beobachtung trifft einen Nerv der aktuellen bildungspolitischen Diskussion. Immer wieder wird gefordert, Lehrkräfte müssten in politischen Fragen strikt neutral sein. Eine solche Interpretation des Beutelsbacher Konsenses greift jedoch zu kurz und wird auch seinem ursprünglichen Anliegen nicht gerecht.
Im Klassenzimmer beginnt der Schutz der Menschenrechte
Vor diesem Hintergrund ist in Siegburg in den vergangenen Jahren ein Ansatz entstanden, der diese Diskussion konkret aufgreift. Bei der „BildungswerkStadt“, einem Fortbildungsforum, das von der Stadt Siegburg organisiert wird, trafen sich alle Lehrkräfte aller Siegburger Schulen. Aus einem Seminar heraus entstand die Arbeitsgruppe „Lehrkräfte für Demokratie und Menschenrechte Siegburg“, die dort den sogenannten Siegburger Konsens erarbeitet hat. Er versteht sich ausdrücklich als Weiterentwicklung des Beutelsbacher Konsenses und betont die Verpflichtung von Schule und Lehrkräften, demokratische Werte nicht nur zu vermitteln, sondern aktiv zu vertreten.
Der Siegburger Konsens stellt klar, dass Lehrkräfte gegenüber verfassungsfeindlichen Positionen nicht neutral sein dürfen. Gleichgültigkeit gegenüber Extremismus, Rassismus oder Menschenfeindlichkeit widerspricht dem Bildungsauftrag und der Verpflichtung auf das Grundgesetz. Politische Bildung soll Schülerinnen und Schüler zur eigenständigen Urteilsbildung befähigen, zugleich aber die Grundlagen der Demokratie schützen.
Inzwischen ist aus der ursprünglichen Arbeitsgruppe eine breiter getragene Initiative geworden. Deutlich mehr als die Hälfte aller Lehrkräfte sowie weiteres schulisches Personal aller Siegburger Schulen haben den Siegburger Konsens bereits unterzeichnet. Damit steht er nicht nur für die Arbeit einer einzelnen Gruppe, sondern für ein gemeinsames Bekenntnis der Siegburger Schulen zu Demokratie, Menschenrechten und einer klaren Haltung gegen Demokratiefeindlichkeit.
Begleitend dazu ist mittlerweile auch eine eigene Webseite eingerichtet worden, auf der der Siegburger Konsens dokumentiert und erläutert wird: siegburger-konsens.de. Sie dient zugleich als Informationsplattform für Interessierte und als Grundlage für eine mögliche Übertragung des Konzepts auf andere Städte und Schulträger.
Menschenrechte lehren heißt Zukunft sichern
Bemerkenswert ist dabei auch eine Parallele zur Entstehungsgeschichte des Beutelsbacher Konsenses: Wie schon damals waren auch diesmal Kartellbrüder beteiligt. In der Arbeitsgruppe wirkt Daniel Odenthal (Wf-K, Urb, Sv) mit, während Sebastian Kaas (Wf-K) als Schulleiter des Anno-Gymnasiums Siegburg gemeinsam mit weiteren Schulen der Stadt die Umsetzung maßgeblich unterstützte.
Der Siegburger Konsens versteht sich ausdrücklich auch als offenes Modell, das zur Nachahmung einlädt. Ähnliche Initiativen könnten auch in anderen Städten entstehen und zur Stärkung demokratischer Bildung beitragen.
Für Rückfragen oder Interesse an einer Übertragung des Konzepts steht die Arbeitsgruppe unter folgender Adresse zur Verfügung: konsens@siegburg.de
So zeigt sich, dass die auf den KV-Tagen angestoßene Diskussion über politische Bildung nicht abstrakt bleiben muss. Der Siegburger Konsens ist ein Beispiel dafür, wie aus grundsätzlichen Überlegungen konkrete Praxis entstehen kann – im Sinne einer politischen Bildung, die demokratische Werte nicht nur erklärt, sondern auch sichtbar vertritt.
Informationen zum Siegburger Konsens: www.siegburger-konsens.de
Daniel Odenthal (Wf-K, Urb, Sv)

