Ein grosser KVer hat seine letzte Reise angetreten!

Zum Tode von Dr. Günter Georg Kinzel (*24. April 1939 - †15. Februar 2026)

Am 15. Februar 2026 ist Kartell- und Bundesbruder Dr. Günter Georg Kinzel in Tübingen im Alter von 86 Jahren gestorben. Er, der als langjähriger stellvertretender Leiter der KV-Akademie viele Akademiereisen geleitet hat und seinen Kartell- und Bundesbrüdern dabei ein liebenswürdiger Reisebegleiter war, der im Ruhestand mit seiner geliebten Frau Angelika unzählige Reisen unternommen hat, hat seine letzte große Reise angetreten.

Am 24. April 1939 in Schlesien geboren, flüchteten seine Eltern in den Kriegswirren zuerst in die damalige Sowjetische Besatzungszone, die spätere DDR, und von dort dann noch einmal weiter nach Westen nach Ennepetal an den Rand des Ruhrgebiets. In Gevelsberg machte Günter Georg 1959 Abitur, anschließend ging er zur Bundeswehr. Der Wehrdienst alleine reichte ihm nicht, als Reservist absolvierte er später viele Wehrübungen, um dann nach mehr als 30 Jahren mit der Auflösung des Heimatschutzregiments „Württemberg-Hohenzollern“ 1992 als Oberstleutnant der Reserve und stellvertretender Regimentskommandeur seine militärische Karriere zu beenden. Nicht zuletzt auf Grund seiner persönlichen Lebensgeschichte war er von der Notwendigkeit der Verteidigung seiner neuen Heimat, der Bundesrepublik, überzeugt. Dazu wollte er nach besten Kräften seinen Beitrag leisten, nicht als Berufssoldat, sondern als Reserveoffizier.

Günter Georg Kinzel studierte in Köln, Tübingen und Lissabon Geschichte, Politik und Latein. In Lissabon legte er den Grundstein für seine Dissertation mit dem Titel „Die rechtliche Begründung der frühen portugiesischen Landnahmen an der westafrikanischen Küste zur Zeit Heinrichs des Seefahrers: Untersuchung über Voraussetzungen, Vorgeschichte und Geschichte der portugiesischen Expansion in Westafrika und auf den Inseln im Atlantik bis zum Jahre 1460“. Diese Doktorarbeit mit fast 400 Seiten zeigte, dass er gerne „dicke Bretter bohrte“, wenn er von einer Sache überzeugt war.

Günter Georg trat im Sommersemester 1961 der K.St.V. Rechberg in Tübingen bei, er konnte also auf über 64 Jahre im KV zurückblicken. Der intensive Kontakt mit der Verbindung und den Bundesbrüdern entwickelte sich nach seiner Rückkehr aus Portugal, vor allem, als er als junger Nachwuchswissenschaftler an der Universität Tübingen tätig war. Akademischer Rat und Oberrat – es sah so aus, als ob er seine berufliche Heimat in Tübingen gefunden hätte. Er hatte dabei ausreichend Zeit, sich um seine jüngeren Bundesbrüder zu kümmern. In seiner Wohnung in Mössingen-Belsen und dann später in seinem Haus am Fuße der Alb in Talheim traf man sich gerne und genoss die Gastlichkeit von Günter Georg und seiner Frau Angelika.

Ende der 1970er Jahre verlagerte Günter Georg Kinzel seinen beruflichen Mittelpunkt nach Stuttgart, zunächst als persönlicher Mitarbeiter des Bundesbruders Dr. Gerd Weng, der damals politischer Staatssekretär im baden-württembergischen Wissenschaftsministerium war. Bald darauf wechselte er ins Referat „Berufsakademien“ und übernahm dann später die Leitung des Referats, die er als Ministerialrat bis zum Ende seiner Berufslaufbahn innehatte. Er organisierte die Entwicklung und Expansion dieses „jungen Pflänzchens“ Berufsakademie, die rasant verlief und dazu führte, dass Baden-Württemberg mit diesem Angebot im tertiären Bildungsbereich lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal hatte. Mit viel Geschick und Fingerspitzengefühl gelang es ihm, die Interessen der Direktoren der Berufsakademien und der Vertreter der Unternehmen, die durch die praktische Ausbildung am „System Berufsakademie“ beteiligt waren, zusammenzuführen. Sein intensiver Kampf um die Anerkennung als Hochschule führte mit dazu, dass einige Jahre nach seiner Pensionierung am 01. März 2009 die Berufsakademien zur „Dualen Hochschule Baden-Württemberg“ zusammengefasst wurden, die heute mit insgesamt über 33.000 Studierenden eine der größten Hochschulen Deutschlands ist.

Günter Georg war ein KVer, der immer mehr tat als seine Pflicht. Nach seiner Philistrierung war er von 1973 an mit zwei kurzen Unterbrechungen neunzehn Jahre lang Philistersenior der K.St.V. Rechberg. Dabei verging kaum eine Woche, in der er nicht im Rechbergheim war und sich um die Aktivitas gekümmert hat, oft auch begleitet von seiner Frau Angelika, die ihm bei seinem Engagement für den KV zur Seite stand. Vor allem auch die Stiftungsfeste und Gründungsfeste der Verbindung, an die sich alle Teilnehmer immer gerne erinnerten, waren von Günter Georg und Angelika Kinzel geprägt, die die Aktivitas stets mit Rat und Tat unterstützten. Rechberg bedankte sich für sein großes Engagement mit der Ernennung zum Ehrenphilister, die Mutterverbindung K.St.V. Alamannia im KV nahm ihn als B-Philister auf.

Zu seinen langjährigen Tätigkeiten für den KV gehörten auch eine über 30-jährige Arbeit im Vorstand des Hausbauvereins Rechberg, die viel Zeit kostete, da das Verbindungshaus Rechberg ein Studentenwohnheim mit 120 Zimmern ist, sowie ein 12-jähriger Vorsitz im Ortszirkel „Attempto” in Tübingen.

Nachdem er das Feld in Tübingen gut bestellt hatte, engagierte Günter Georg Kinzel sich in den Verbandsführungsgremien. 1993 wurde er als stellvertretender Vorsitzender in den Altherrenbundvorstand gewählt und 1995 bei der Vertreterversammlung in Münster als Altherrenvertreter in den KV-Rat. Dieses Amt hatte er bis zum Jahr 2005 inne. Wenn er ein Amt „inne“ hatte, dann bedeutete das für ihn volles Engagement.

Garant für Verlässlichkeit

Anlässlich der Verleihung des Ehrenringes des KV am 05. Januar 2013 charakterisierte der damalige KV-Ratsvorsitzende Karl Kautzsch Günter Georg als einen „die Verpflichtung einfordernder und die Auffassung des Anderen respektierender KVer“. Auf ihn könne man sich immer verlassen. „Wenn man Dich fragt, erhält man eine Zusage oder einen Lösungsweg aufgezeigt und Du bist immer da, wenn Du gebraucht wirst. Du handelst aus der Geschichte, aber hast immer die Zukunft im Blick. Dabei bist Du durchaus manchmal kritisch und dies ist gut so, denn nur so kann etwas verändert und nach vorne gebracht werden. Bei all dem hast Du aber auch die Tugend der Bescheidenheit und es ist nicht Deines, im Mittelpunkt zu stehen.“

Viele Kartellbrüder kannten Günter Georg Kinzel als stellvertretenden Vorsitzenden der KV-Akademie. In seinen Vorstandsjahren hat er eine Vielzahl von Seminaren organisiert und durchgeführt. Dazu gehörten Europa-Seminare in Brüssel, Straßburg und Luxemburg, sowie Seminare, die Kartell- und Bundesbrüder und Ehefrauen bis nach Andalusien und Madrid führten. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Akademiearbeit war die Vorbereitung, Organisation und Durchführung der Würzburger KV-Tage zu Beginn eines jeden Jahres. 
Gerade bei den KV-Tagen ist es nicht leicht, ein aktuelles Tagungsthema zu finden und zu dem Thema dann auch noch Experten zu gewinnen, die interessant vortragen können. Das ist Günter Georg immer hervorragend gelungen. Die Würzburger KV-Tage hatten unter seiner Leitung nicht selten über 120 Teilnehmer. Es gab sogar Kartellbrüder, die durch die Reisen oder die KV-Tage erst wieder zum Verband fanden.

Eine der letzten Aktivitäten für den Verband war die 2003 gegründete Kultur- und Sozialstiftung des KV, die von Günter Georg Kinzel maßgeblich vorangetrieben worden war. Seit 2009 war er für etliche Jahre Vorsitzender der Stiftung und es war ihm ein großes Anliegen, dass der Kapitalstock anwächst und auch zukünftige Generationen im KV unterstützt werden können.

Gerne hätte er auch noch das hundertjährige Bestehen Rechbergs im Jahre 2027 erlebt oder auch eine größere Offenheit des Verbandes gegenüber der Aufnahme von Studentinnen in den Verband, was ihm seit Jahren ein Anliegen war. Leider war ihm beides nicht mehr vergönnt.

Mit dem Tod von Dr. Günter Georg Kinzel, einem Träger des Ehrenringes des KV, hat der Verband einen großen KVer verloren. Die, die ihn persönlich kennenlernen durften, erfüllt sein Tod mit tiefer Trauer, aber auch mit Dankbarkeit für alles, was er für sie und den KV getan hat. Ihre Anteilnahme gilt seiner Frau Angelika, seinem Sohn Rüdiger, seiner Tochter Dorothee und seinen Enkeln und Enkelinnen.

Prof. Dr. Gerhard Vigener (Rbg)