Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen!
Lic. theol. et lic.phil. Reinhard Röhrner (Ale)
Sicherlich kennt ihr diesen Ausspruch, manchmal hört man ihn auch in der Variante „Der Mensch denkt und Gott lenkt; der Mensch dachte und Gott lachte”. Was auf den ersten Blick wie ein schneller Trost klingt, wenn etwas nicht gelingt, oder wir ein Ziel nicht erreichen, könnte dies doch mit dem Bild eines zynischen Gottes zusammenhängen. Ein Gott, der den Menschen ins Dasein rief und sich jetzt darüber freut, dass sein Geschöpf scheitert. Das erinnert an ein deistisches Gottesbild, das einen Schöpfergott annimmt, der seine Schöpfung sich selbst überlässt, wie es seit der Aufklärung bis in unsere Tage immer wieder aufleuchtet. Oder ein Bild, das wir vielleicht eher mit den olympischen Göttern der Antike verbinden würden, aber nicht mit einem Gott, der uns in besonderer Weise nahekommen will, ja uns durch sein eigenes Leiden erlöst hat.
Andererseits erleben wir immer wieder, dass wir große Ideen und vieles im Sinn haben, das in unserem alltäglichen Handeln dann schnell wieder ins Hintertreffen gerät und sich unsere Pläne wieder ändern oder wir neue Pläne entwickeln. Wenn wir Gott die Beobachterposition für uns und unser Leben zuweisen, könnte es sein wie bei Erwachsenen, die Kinder beim Spielen beobachten, die immer wieder etwas versuchen, bis es ihnen endlich gelingt und die Situationen oft komisch und ungelenk wirken. Dennoch würden sich Eltern im Normalfall nicht zynisch am Scheitern freuen, sondern an den Fortschritten der Kinder. Ja, im besten Sinne ist der Blick der Eltern ermutigend für die Kinder mit der Herausforderung, nicht alleine zu sein.
Ganz ähnlich können wir auch einen Blick in das Alte Testament wagen. Im Buch der Psalmen können wir Menschen in ihrem Beten wahrnehmen. Sie bringen Sorge und Not vor Gott, ja bis hinein in Todesnot und aussichtslose Erfahrungen kommen sie betend zu Gott. Sie erwarten etwas von Gott, sagen ihm, was sie nicht begreifen können und wo sie seine Hilfe brauchen. Damit ändern sie den Zugang zu Gott, sie holen ihn herein in ihre Wirklichkeit. Am Ende der Bittpsalmen kommt der Dank für die Erhörung der Bitte. Gerade auch der dramatische Psalm 22, den Jesus am Kreuz in seiner Todesstunde betet, endet mit der Erfahrung, von Gott erhört worden zu sein. Wir dürfen davon ausgehen, dass die Bitten, gerade die existentiellen Bitten, sich nicht innerhalb einer Gebetszeit erfüllen, aber der Beter macht etwas, was der Weg der Exerzitien und die moderne Psychologie dem Menschen nahelegen.
Wer ein Ziel erreichen möchte, soll sich in der Unterscheidung der Geister vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn der Wunsch in Erfüllung gegangen ist, oder sich ein Ziel erreichen ließ. Erlebe ich den größeren Trost bzw. die tiefere Zufriedenheit, die ich mir erhoffe? Dann ist es ein erstrebenswertes Ziel und ich bin auf dem besten Wege dazu, dass es Wirklichkeit werden kann. Die moderne Psychologie ermuntert, sich das Ziel einer Veränderung möglichst konkret vor Augen zu stellen. Mehr als andere Motivationen hilft uns das, den Weg der Veränderung zu gehen.
Lacht nun Gott, wenn wir ihm von unseren Plänen erzählen? Vielleicht mit uns, vielleicht ein ermunterndes Lachen, eines, das uns Mut macht, den Weg mit ihm durch den Alltag zu gehen und die Ziele zu erstreben, die uns gut tun und uns auf dem Weg mit Gott und Menschen weiterbringen.
Reinhard Röhrner (Ale)
Jahrgang 1971, wuchs in Vilsbiburg auf und wurde im WS 1992/93 bei der K.S.St.V. Alemannia aktiv. Sein Studium in München und Lyon beschloss er mit Lizentiaten in Theologie und Philosophie sowie dem Magister in Medien- und Kommunikationswissenschaften. 2001 zum Priester geweiht, ist er seit 2018 Pfarrer in Kelheim.
