Der KV verleiht die Georg-von-Hertling-Medaille an Kb P. Dr. h.c. Klaus Mertes SJ (Flg)
2011 hat der Kartellverband zuletzt die Georg-von-Hertling-Medaille verliehen - nun, fünfzehn Jahre später, vergibt er seine höchste Auszeichnung von neuem: an einen der bekanntesten deutschen Jesuiten: Geehrt wird Kb P. Dr. h.c. Klaus Mertes SJ (Flg) für sein vielfältiges Engagement als Priester, Pädagoge und Theologe.
Die Georg-von-Hertling-Medaille wird an Kartellbrüder verliehen, die in Politik, Staat, Gesellschaft oder Kirche Hervorragendes geleistet haben - so, wie der Namensgeber der Medaille, Georg Freiherr von Hertling (1843-1919): Er prägte den KV in seiner frühen Zeit. Sein gesellschaftspolitisches Engagement brachte ihn ins Amt des bayerischen Ministerprä-sidenten und des ersten katholischen Reichskanzlers. Dem Vorbild Hertlings wird Kb Klaus Mertes hervorragend gerecht. Sein Wirken als Priester, Pädagoge und Theologe ist geprägt von einem tiefen Engagement für Bildung, Verantwortung und eine glaubwürdige Kirche.
Klaus Mertes kam am 11. Januar 1954 in Bonn zur Welt. Als Sohn eines Diplomaten verbrachte er seine ersten elf Lebensjahre in Marseille, Paris und Moskau: Die Erfahrung, Grenzgänger zu sein, prägte ihn tief. 1966 kehrte die Familie nach Bonn zurück. Am dortigen Aloisiuskolleg machte Klaus Mertes sein Abitur. Nach dem Wehrdienst studierte er zunächst Klassische Philologie und Slawistik in Bonn und wurde beim K.St.V. Flamberg aktiv. 1977, dreiundzwanzigjährig, trat Klaus Mertes dem Jesuitenorden bei. „Es war weniger der Priesterberuf als solcher, der mich faszinierte, sondern die Frage nach der Gotteserfahrung”, sagte er dazu 2018 gegenüber dem Deutschlandfunk. „Also, wo ist denn der Ort, an dem Gott erfahren wird? Das war die Frage, die mich bewegt hat.”
Nach zweijährigen Noviziat in Münster studierte Klaus Mertes zunächst Philosophie und machte ein zweijähriges Praktikum in der Offenen Jugendarbeit in Trier. 1983 begann er sein Studium der Katholischen Theologie an der Philosophisch-theologischen Hochschule der Jesuiten St. Georgen. Am 4. Oktober 1986 wurde er im Frankfurter Kaiserdom Sankt Bartholomäus zum Priester geweiht. Es folgten ein Lateinstudium an der Goetheuniversität und ein Referendariat an einem Gymnasium.
Aufklärung und Haltung
Die Kindheitserfahrung des Unterwegsseins setzte im Jesuitenorden wieder ein. 1990 ging Klaus Mertes mit der ärztlichen Hilfsorganisation „German Doctors” mehrere Monate nach Kalkutta. Zwei Jahre verbrachte er danach in Nordirland. Ab 1994 wirkte er am Canisius-Kolleg seines Ordens in Berlin als begeisterter Lehrer und Pädagoge: Von 2000 bis 2011 leitete er das Kolleg. Qua Amt war er damit zugleich Rektor der Kirche Maria Regina Martyrum, der Gedenkkirche der Katholiken in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus. Als Rektor des Canisius-Kollegs machte er 2010 den Missbrauchsskandal an seiner Schule öffentlich und löste damit eine deutschlandweite Debatte aus.
Auf seine Zeit beim Canisius-Kolleg folgten neun Jahre als Direktor von Sankt Blasien, dem Internationalen Jesuitenkolleg. Zurzeit lebt er in der Jesuitenkommunität im Ignatiushaus in Berlin, arbeitet in der Redaktion der Jesuitenzeitschrift „Stimmen der Zeit”, wirkt als Buchautor, Geist-licher Präses der Katholischen Elternschaft Deutschlands (KED) und im Kura- torium der „Stiftung 20. Juli 1944”.
Die katholisch-theologische Fakultät der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg verlieh ihm 2019 die Ehrendoktorwürde. Für seinen herausragenden Einsatz bei der Aufarbeitung sexueller Gewalt gegen
Kinder und Jugendliche ehrte ihn Bundespräsident Steinmeier 2021 mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Seine Lieblingsstelle in der Bibel steht im Römerbrief (5,3f): „Bedrängnis bewirkt Geduld, Geduld Bewährung, Bewährung Hoffnung.” Sein Lebenswerk zeigt einen Priester, der Bildung, Glaube und gesellschaftliche Verantwortung miteinander verbindet und sich für eine Kirche einsetzt, die glaubwürdig, reflektiert und den Menschen zugewandt ist.
Der Festakt zur Verleihung der Auszeichnung wird am Samstag, den 10. Oktober 2026, um 11:00 Uhr in Bonn stattfinden, der Veranstaltungsort wird noch bekannt gegeben. Der KV gratuliert Kb P. Mertes von ganzem Herzen zu dieser Auszeichnung! Wir sind dankbar und freuen uns, dass er unserem Verband angehört.