Generalversammlungen bis 1914
Peter Johannes Weber (Ask-Bg)
Vorbemerkung: Der vorliegende Beitrag versucht anhand der verfügbaren Quellen die Geschichte der Tagungsorte der KV-Versammlungen zu rekonstruieren. Eine zusammenhängende Auflistung der Tagungsorte unseres Verbandes ließ sich zunächst nicht finden. Während jedes Handbuch des Cartellverbandes eine Übersicht der Tagungsorte der Cartellversammlungen enthält, fehlt im KV-Jahrbuch bislang ein entsprechendes Verzeichnis. Deshalb dienten als wichtigste Quellen die Korrespondenzblätter (1866–1892) sowie die Akademischen Monatsblätter (ab 1888). Als weitere Werke wurden die Festschrift von Hermann Cardauns zum 50-jährigen Verbandsjubiläum (1913), die Festschrift von Michael F. Feldkamp zum 150-jährigen Bestehen des K.St.V. Askania-Burgundia (2003) sowie die Correspondenzblätter des Cartellverbandes (1869–1895) hinzugezogen. Auf dieser Grundlage ließen sich zwar sämtliche Jahre und Tagungsorte ermitteln, allerdings nicht immer die genauen Daten der Versammlungen.
In der Regel fanden die Generalversammlungen Ende Juli oder Anfang August statt, vereinzelt jedoch auch im Mai oder Juni. Fehlende Angaben könnten vermutlich durch eine systematische Auswertung der zeitgenössischen katholischen Presse ergänzt werden – eine Recherche, die dem Autor aus dem Ausland leider nicht möglich war.
Bis mindestens zum Ersten Weltkrieg hielten mehrere katholische Studentenverbände – darunter der Cartellverband (CV), der Unitasverband (UV) und die Kartellvereinigung katholischer deutscher Studenten-Korporationen (KDV) – ihre Versammlungen in der Regel im Rahmen der Deutschen Katholikentage ab, die zunächst noch „Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands” genannt wurden.
Frühe Treffen und die Entstehung des KV
Auch Vertreter der späteren KV-Vereine nahmen zunächst an solchen Zusammenkünften teil. In den Jahren 1863 in Frankfurt am Main, 1864 in Würzburg und 1865 in Trier traf man sich im Umfeld der Katholikentage, um über die Bildung eines gemeinsamen katholischen Korporationsverbandes zu beraten. Mit dem Ende des sogenannten Würzburger Bundes auf dem Trierer Katholikentag trennten sich jedoch die Wege der beteiligten Gruppen: Die Studentenverbindungen im CV und die Studentenvereine im KV entwickelten sich fortan organisatorisch getrennt weiter.
Während der CV seine Ursprünge auf das 1856 geschlossene Cartellverhältnis zwischen Aenania und Winfridia zurückführt, erfolgte die Gründung des KV erst Ende Januar 1866. In der Geschichtsschreibung des CV gelten die Treffen von Frankfurt (1863), Würzburg (1864) und Trier (1865) als erste drei Cartellversammlungen.
Die Vertreter der KV-Vereine konnten sich im Gründungsjahr 1866 aufgrund des Preußisch-Österreichischen Krieges jedoch nicht versammeln. Erst 1867 kam es in Berlin zur ersten Generalversammlung des KV.
Bereits 1865 hatte der Berliner Leseverein angeregt, die Generalversammlungen zeitlich und örtlich von den Katholikentagen zu trennen. Dieser Vorschlag stieß insbesondere bei der Verbindung Arminia zunächst auf heftigen Widerstand. Auf den ersten Generalversammlungen wurde die Frage mehrfach diskutiert, ohne dass eine Einigung erzielt werden konnte.
Verhältnis zu den Katholikentagen
Auch ein späterer Versuch, die Versammlungen wieder stärker an die Katholikentage anzubinden, scheiterte: 1905 wurde auf der Generalversammlung in Freiburg eine entsprechende Initiative mit deutlicher Mehrheit von 34 zu 6 Stimmen abgelehnt.
Hermann Cardauns weist in seiner Festschrift allerdings darauf hin, dass diese Entscheidung nicht bedeutete, dass der KV den Katholikentagen fernblieb. Im Gegenteil: Der Verband veranstaltete dort regelmäßig große Kommerse. Tausende Aktive, Alte Herren und Gäste nahmen daran teil.
Mit der späteren Umbenennung der Verbandstagung von Generalversammlung zu Vertreterversammlung entstand eine kurze, aber bemerkenswerte Debatte über die begriffliche Bedeutung beider Bezeichnungen. Kb Josef Oppenhoff (Arm, Bsg, Ask-Bg) schrieb dazu 1913 in den Akademischen Monatsblättern in seinem Beitrag „Die Sprache der neuen Verbandsverfassung“, eine eigentliche Generalversammlung im wörtlichen Sinne habe es im KV nie gegeben. In großen Verbänden sei es üblich, dass die Mitgliedsvereine ihre Vertreter entsenden; daher habe sich der Begriff „Delegiertentag“ oder „Vertreterversammlung“ eingebürgert.
Generalversammlung oder Vertreterversammlung?
Der damalige Redakteur der Akademischen Monatsblätter, Kb Karl Hoeber (Pal, Bsg, Frk), widersprach dieser Sichtweise. Eine Vertreterversammlung sei lediglich eine Versammlung der Delegierten der Vereine. Die bisherige Generalversammlung des KV hingegen sei eine allgemeine Versammlung des Verbandes, an der grundsätzlich alle Mitglieder – Aktive ebenso wie Alte Herren – teilnehmen und beratend mitwirken könnten. Lediglich das Stimmrecht sei den offiziellen Vertretern vorbehalten gewesen.
Termine der Versammlungen
Grundsätzlich sollte die Generalversammlung des KV jährlich stattfinden. Mehrfach verhinderten jedoch politische Ereignisse oder organisatorische Veränderungen diesen Rhythmus.
So fiel die Versammlung 1866 infolge des Preußisch-Österreichischen Krieges aus, ebenso 1870 wegen des Deutsch-Französischen Krieges. Eine grundlegende Änderung erfolgte schließlich auf der Generalversammlung 1912 in Bonn: Dort beschloss man, künftig nur noch alle zwei Jahre eine Vertreterversammlung während der Pfingstferien abzuhalten.
Mit dem Inkrafttreten der neuen Verbandsverfassung am 1. November 1913 endete damit die Ära der jährlichen Generalversammlungen. Turnusgemäß fand 1914 keine Tagung statt. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs führte anschließend dazu, dass auch die geplanten Versammlungen von 1915 bis 1918 ausfielen.
Auflistung der Tagungsorte
| GV | Datum / Jahr | Tagungsort |
| 20.-23.09.1863 | Frankfurt am Main, auf dem 15. Katholikentag | |
| 12.–15.09.1864 | Würzburg, auf dem 16. Katholikentag | |
| 10.–14.09.1865 | Trier, auf dem 17. Katholikentag | |
| 1866 | kriegsbedingt keine | |
| 1 | 1867 | Berlin |
| 2 | 1868 | Münster |
| 3 | 1869 | Würzburg |
| 1870 | kriegsbedingt keine, vorgesehen war München | |
| 4 | 01.–04.08.1871 | München |
| 5 | 29.07.-02.08.1872 | Bonn |
| 6 | um den 03.08.1873 | Göttingen |
| 7 | 04.-08.08.1874 | Heidelberg |
| 8 | 27.-30.07.1875 | Würzburg, ursprünglich war Münster vorgesehen |
| 9 | 1876 | Breslau |
| 10 | 1877 | Aachen |
| 11 | um den 01.08.1878 | München |
| 12 | 1879 | Bonn |
| 13 | um den 05.08.1880 | Göttingen |
| 14 | 08.-13.08.1881 | Münster |
| 15 | 01.-04.08.1882 | Würzburg |
| 16 | um den 31.07.1883 | Berlin |
| 17 | Ende SoSe 1884 | Greifswald |
| 18 | 1885 | Leipzig |
| 19 | 1886 | Heidelberg |
| 20 | 1887 | Bonn |
| 21 | 29.07.-04.08.1888 | Breslau |
| 22 | 29.07.-01.08.1889 | Münster |
| 23 | 31.07.-04.08.1890 | Straßburg |
| 24 | 20.-26.07.1891 | Berlin |
| 25 | 1892 | Bonn |
| 26 | 30.07.-05.08.1893 | Kiel |
| 27 | 17.-22.07.1894 | München |
| 28 | 04.-10.06.1895 | Hannover |
| 29 | 26.-30.07.1896 | Aachen |
| 30 | 27.07.-01.08.1897 | Tübingen |
| 31 | 24.-28.07.1898 | Greifswald |
| 32 | 24.-29.07.1899 | Würzburg |
| 33 | 24.-29.07.1900 | Strassburg |
| ao. | 20.12.1900 | Münster |
| 34 | 29.07.-02.08.1901 | Münster |
| 35 | 20.-26.07.1902 | Erlangen |
| 36 | 04.-09.06.1903 | Berlin |
| 37 | 18.-23.07.1904 | Würzburg |
| 38 | 18.-24.07.1905 | Freiburg im Breisgau |
| 39 | 05.-10.06.1906 | Breslau |
| 40 | 10.-14.06.1907 | Wiesbaden |
| 41 | 09.-16.06.1908 | Halle |
| 42 | 02.-07.06.1909 | Aachen |
| 43 | 20.-27.06.1910 | Münster |
| 44 | 06.-12.06.1911 | Berlin |
| 45 | 28.05.-03.06.1912 | Bonn |
| 46 | 13.-19.05.1913 | Straßburg |
| 1914 | keine wegen des neu eingeführten 2-Jahres-Rythmus | |
| 1915 | kriegsbedingt keine, Pfingsten war vorgesehen | |
| 1916 | kriegsbedingt keine | |
| 1917 | kriegsbedingt keine | |
| 1918 | kriegsbedingt keine |
