Unermüdlich für Erwinia und den KV im Einsatz
Zur Erinnerung an Wolfgang Keßler (Erw) *24. April 1932 in Regensburg - †8. Februar 2o26 in Rottach-Egern
Am 8. Februar 2026 verstarb Wolfgang Keßler in Rottach-Egern. Mit ihm verliert die K.St.V. Erwinia im KV zu München ein langjähriges Mitglied, das für die Erwinia, den Münchner Kartellverband (MKV), die Katholischen Kooperationen Münchens (KKM) und den Kartellverband (KV) von besonderer Bedeutung war.
Geboren am 24. April 1932 in Regensburg, entstammte Wolfgang einer Familie verdienter Erwinen. Sein Vater Dr. Erwin Keßler und sein Großvater Philipp waren Eisenbahner, erwinisches Urgestein und jeweils auch Aktivensenioren. Wolfgang zog mit der Familie häufig um und lernte früh viele Orte in Deutschland kennen. Nach dem Abitur 1951 verbrachte Wolfgang ein Auslandsjahr in England, arbeitete auf einem Bauernhof und bereiste per Anhalter England, Schottland, Wales und Irland. Er lernte die Mentalität der Inseln kennen, erfuhr viel über die Arbeit auf dem Land und erlebte, wie man sechs Jahre nach Kriegsende auf Deutsche blickte – Geschichten, über die er mehrere Abende lang erzählen konnte. Später, als Student, unternahm er zudem eine große Fahrradtour durch Elsass, Südfrankreich, Italien (Venedig) und Österreich.
Aufgewachsen in einer Erwinenfamilie lag es nahe, dass Wolfgang während seines Jurastudiums ab 1951 gemeinsam mit Aktiven aus der Alemannia die Aktivitas der Erwinia wiederbelebte. Die Erwinia hatte sich 1934 der Alemannia angeschlossen, um dem Verbot durch die NSDAP zu entgehen und die Enteignung des Alemanenhauses zu verhindern. Dann, unterstützt von vielen Alten Herren, brachten 1952 auf dem CC des 71. Stiftungsfestes der Alemannia 29 Erwinenphilister, deren Adressen mit großem Einsatz ermittelt worden waren, ihr Anliegen vor. Unter Hinweis auf Alemannias alte Zusage, die Tradition Erwiniae „zu treuen Händen“ zu bewahren, bis sie wieder selbstständig weiterleben könne, wurde die Abspaltung und Wiedergründung erreicht. Am 22. Juli 1952 wurde Wolfgang im Rahmen einer Kneipe zum Wiedergründungssenior gewählt; 1953 übernahm er zum 80. Stiftungsfest erneut die Aktivensenioren-Charge.
Sein Referendarexamen legte Wolfgang 1956 in München ab. Es folgte das Referendariat im Bezirk des Oberlandesgerichts Köln und das Assessorexamen in Düsseldorf.
Beruflich bekleidete Wolfgang Positionen bei der Postverwaltung, unter anderem in Berlin und als Leiter der Post in Mühldorf am Inn. Dort gründete er 1965 den Postsportverein, übernahm den Vorsitz und war als Ruderer selbst sportlich aktiv. Im selben Jahr wurde er in den Stadtrat gewählt. Nach seiner Versetzung zur Oberpostdirektion München folgte er 1970 dem Ruf unseres Bundesbruders und späteren Bayerischen Ministerpräsidenten, Dr. Max Streibl, ins neu gegründete Bayerische Umweltministerium – das erste seiner Art in Deutschland. Dort beendete er seine Laufbahn als Referatsleiter im Rang eines Ministerialrats.
Für Erwinia und den Verband war Wolfgang unermüdlich im Einsatz. Er übernahm Chargen im MKV und im Vorort des KV (Vorortsvizepräsident 1957). Um in schwierigen Zeiten die Chargenbesetzung sicherzustellen, ließ er sich 1976 reaktivieren und übernahm die Charge des Vx. Von 1981 bis 1984 war er Philistersenior. Nachdem der langjährige AH-Senior Hans Martin Werner sein Amt niedergelegt hatte, engagierte sich Wolfgang erneut von 2001 bis 2006 als Vorsitzender des Altherrenvereins Erwiniae. Im selben Jahr verlieh ihm der CC der Erwinia den Titel eines Ehrenseniors – eine Auszeichnung, die seinem außergewöhnlichen Verdienst gerecht wird.
Nach dem Tod von Dr. Werner Schöll übernahm Wolfgang das Amt des Schatzmeisters der Erwinischen Studentenhilfe e. V., deren Gründung 1976 in seiner Wohnung erfolgt war. Mit Fleiß, penibel geführter handschriftlicher Buchhaltung, Einfühlungsvermögen, Geduld und der nötigen Hartnäckigkeit sicherte er die Finanzierung des Verbindungslebens und erinnerte die Bundesbrüder verlässlich an ihre Beitragsverpflichtungen.
Auch jenseits der Verbindung übernahm Wolfgang Verantwortung: Er war „Commodore“ des Kegelclubs Erwiniae bis zu dessen Auflösung. Seit 1961 trafen sich Erwinen, Witwen von Erwinen und Alemannen sowie Gäste regelmäßig zum Kegeln auf dem Alemannenhaus. Die Erwinia hatte in den Jahren 1948 bis 1952 rund 6.000 DM zum Unterhalt und zur Restaurierung des Hauses beigesteuert; als „Naturalien“ wurden die Nutzung eines Studentenzimmers und der Kegelbahn gewährt. Pflichtgefühl und Bereitschaft zur Übernahme von Aufgaben prägten Wolfgangs Lebensweg ebenso wie sein Engagement als Ministrant, Mitglied der Pfadfinderschaft St. Georg und Gruppenführer in Speyer.
In dritter Generation Erwine
Neben Beruf und Verbindung war Wolfgang Jäger mit Herz und Seele. 2007 erlegte er in Ungarn einen 14-Ender, der bis zuletzt den Eingangsbereich seiner Wohnung schmückte. Obwohl als „weißer Jahrgang“ von der Wehrpflicht befreit, meldete er sich freiwillig zur Bundeswehr und leistete bei den Gebirgsjägern in Berchtesgaden, Bad Reichenhall und Mittenwald rund 20 Wehrübungen. Er diente vom Jäger bis zum Oberstleutnant der Reserve.
An seiner Seite stand seine liebe Ehefrau Helga, die nicht nur Verständnis für das Verbindungsengagement ihres Mannes aufbrachte, sondern sich oft selbst einbrachte. Kennengelernt hatten sich beide bereits bei der Alemannia; „zufällig“ organisierte Treffen durch Bundesbrüder führten zu Nähe, Verständnis, Liebe und schließlich zur Heirat am 7. Oktober 1988 – dem Tag des Pontifikalrequiems für Franz Josef Strauß.
2025 feierte Wolfgang mit einigen Erwinen und einer launigen Rede seinen 93. Geburtstag bei seinem Stammitaliener „La Ruota“ in Laim; Seine Gattin Helga feierte im Herbst 2025 ihren 90. Geburtstag. Ende 2025 entschieden sich beide zum Umzug in die Seniorenresidenz KWA Stift Rupertihof in Rottach-Egern, wo Wolfgang am 8. Februar 2026 verstarb.
Die K.St.V. Erwinia verliert mit ihm einen Erwinen der dritten Generation, der mit Leib und Seele ein begeisterter Bundesbruder war. Im MKV, in den KKM und im KV setzte er sich immer wieder ein, brachte Dinge voran und stärkte die Einheit der katholischen Verbindungen. Wolfgang Keßler war Erwine und KVer aus Überzeugung – stets zur Stelle, wenn die Erwinia ihn brauchte, engagiert in verschiedensten Funktionen. Wie nur wenige verkörperte er unsere Prinzipien: religio, scientia, amicitia. Vivat, floreat, crescat Erwinia – in dankbarer Erinnerung an Wolfgang Keßler.
Peter Ehrensperger (Erw)
