GKP-Jahrestagung "Wissenschaft und Journalismus" in Münster

Marc Lenzke (Nm, AR, Vorstandsmitglied der GKP)

Minister Nathanael Liminiski, Diözesanadministrator Kb Dr. Antonius Hamers (Wh, Rhein, Mk), Professor Michael Seewald - starke Auftritte bei der GKP-Jahrestagung zu „Wissenschaft und Journalismus” in Münster

Bei herrlichem Frühlingswetter begrüßten am Donnerstagsnachmittag, dem 19. März, GKP-Vor-sitzender Joachim Frank und der Pressesprecher des Bistums, Dr. Stephan Kronenburg, die Mitglieder der Gesellschaft katholischer Publizistinnen und Publizisten (GKP) Münsteraner Paulus-Dom, ehe in Gruppen die Stadt erkundet wurde. 

Von Kneipen und Kirchen, von Säufern und Täufern

Thomas Mollen, GKP-Mitglied und Mitarbeiter der Pressestelle des Bistums Münster, feuerte eine unterhaltsame Stadtführung ab unter dem Motto „Von Kneipen und Kirchen, von Säufern und Täufern”. Für mich, der ich Münster nur aus zwei Aktivenfahrten kenne – also bei Dunkelheit und auf das Kreuzviertel begrenzt – war das eine interessante, erstaunlich kurzweilige Tour und eine rundherum wunderbare Erfahrung. 
Andere schlossen sich einer Führung durch das LWL-Museum für Kunst und Kultur an, eine dritte Gruppe besuchte die Redaktion des Online-Magazins Perspective Daily sowie den Friedenssaal im Historischen Rathaus.
In St. Petri feierte die GKP anschließend eine Eucharistiefeier mit Diözesanadministrator Kb Dr. Antonius Hamers und ihrem geistlichen Beirat Pater Christof Wolf. Hier wurde bewusst die ehemalige Kirche des Münsterschen Jesuitenkollegs und nunmehr Kirche der Katholischen Studierenden- und Hochschulgemeinde Münster genutzt – es sollte ja auf wissenschaftliche Themen einstimmen. 

Aufgaben und Sorgen eines Diözesanadministrators

Am Abend stand schließlich ein Hintergrundgespräch mit Diözesanadministrator Kb Dr. Hamers auf dem Programm. Für einen KVer war es natürlich erhebend, dass diesen Abend ein Kartellbruder bestritt. Einblicke zur bevorstehenden Bischofswahl – oder deren päpstlicher Bestätigung – waren selbst im vertraulichen Gespräch nicht zu bekommen. Detailreiche Auskünfte gab er aber zu den Herausforderungen durch Fläche und Struktur des Bistums, den Aufgaben und Sorgen eines Diözesanadministrators und Eindrücke der persönlichen Haltungen zu Krieg und Frieden auf der Welt. Das Gespräch konnte über den offiziellen Teil hinaus an der Bar des Franz-Hitze-Hauses fortgesetzt werden. Was die Bischofsfrage betrifft, ist diese bekanntlich mittlerweile mit der Ernennung Heiner Wilmers zum Bischof von Münster geklärt. 2025, bei der GKP-Jahrestagung in Hannover war Wilmer, damals noch Bischof von Hildesheim, übrigens dabei, hatte mit den GKP-Mitgliedern Eucharistie gefeiert und sich abends ihren Fragen gestellt.

Wie steht es um das Verhältnis von Wissenschaft und Journalismus? Darüber diskutierten Expertinnen und Experten dann am 2. Tag der GKP-Jahrestagung – dem Studientag. Der Studientag war gut besucht und gut besetzt: Nach einer Einführung in das Thema durch Viola van Melis, GKP-Mitglied und Leiterin des Zentrums für Wissenschaftskommunikation an der Universität Münster, richtete Prof. Dr.  Barbara Stollberg-Rilinger den Blick auf das Verhältnis von Wissenschaft und Politik. Volker Stollorz, Geschäftsführer des Science Media Center beleuchtete die Herausforderungen von Wissenschaftskommunikation im Zeitalter von Künstlicher Intelligenz. 
Julia Wandt, Geschäftsführerin der Anlaufstelle SciComm-Support richtete den Blick auf die Herausforderungen für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler durch Anfeindungen und Hatespeech. Schließlich nahm Axel Weber, Leiter Public Affairs von WestLotto, die Bedeutung des Ehrenamts für die Gesellschaft in den Fokus – inklusive eines Plädoyers, dem Thema Ehrenamt in den Medien mehr Raum zu geben. 

Fallstricke der Wissenschaftskommunikation

Was bleibt unterm Strich? Wissenschaft ist in einer Zeit der Krisen und Konflikte nicht nur notwendig, sondern wird nachgefragt – zunehmend aber auch hinterfragt. Und mit Wissenschaft und Medien, Politik und Zivilgesellschaft treffen die Logiken eigener Systeme aufeinander: Die Nachrichtenlogik der Zuspitzung trifft auf die Komplexität von Forschungsergebnissen; der politische Wunsch nach klaren Empfehlungen auf die Vorläufigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse.
Den zweiten Teil des Studientags setzte Prof. Dr. Michael Seewald von der Universität Münster (der in Kürze an die LMU nach München wechselt) fort: In einem einstündigen Hintergrundgespräch ging es um das Verhältnis von Theologie und Öffentlichkeit, starker und schwacher Kommunikation und der notwendigen, aber auch gefährlichen Fähigkeit der Vereinfachung. Prof. Dr. Thorsten Quandt gab unter dem Titel „Hass, Trolling und Verschwörungstheorien” einen unterhaltsamen Einblick in seine Forschung zu Desinformation und gefährlichen Bubbles und parallel Narrativen in Social Media. 

Einmischen, mit voller Wucht und Klarheit!

Mit dem Oberbürgermeister von Münster, Tilman Fuchs (Grüne), und dem Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, Internationales sowie Medien des Landes Nordrhein-Westfalen sowie Leiter der Staatskanzlei, Nathanael Liminski (CDU), waren zwei prominente Vertreter aus der Politik zu Gast. Liminski rief die Kirchen dazu auf, auch bei politischen Fragen deutlich Position zu beziehen – sie sollen sich „mit voller Wucht und Klarheit“ in den öffentlichen Diskurs einmischen. Außerdem sprach er sich für mehr Regulierung im Bereich von Social Media und eine Digitalabgabe für Techkonzerne aus. „Ich möchte sichergehen, dass ich meinen vier Kindern nicht einen völlig identitätsentkernten Kontinent Europa überlasse“, erklärte Liminiski. 
Für einen heiteren Ausklang sorgte am Abend der nicht zuletzt durch die legendäre Fernsehshow „Zimmer frei!” bekannt gewordene katholische Musiker, Moderator und Publizist Götz Alsmann. Im Gespräch ging es um seine Heimatstadt und seine Fantreue zum Sportclub Preußen Münster, um Kirche, Medien und Musik. Abgerundet wurde der Abend durch ein kleines Privatkonzert für die versammelten GKPler und mit einem heiteren Ausklang an der Bar – wo auch Alsmann noch ein Viertelstündchen vorbeischaute.

Ordentliche Mitgliederversammlung

Keine Jahrestagung kommt leider ausschließlich mit Rahmenprogramm und Unterhaltung aus. Daher fand am Samstagvormittag die jährliche ordentliche Mit- gliederversammlung statt. Vorstandswahlen stehen erst im nächsten Jahr an. Daher konnte man sich auf die leichten Themen beschränken: Neben Reiseplanung und Ehrungen stand auf der Tagesordnung natürlich die wichtigste Frage: Wo und wann findet die nächste Jahrestagung statt? – wir sehen uns wieder, in Würzburg, vom 11. bis 13. März 2027.

GKP: Katholische Journalisten

Die Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP) bildete sich 1948 mit dem Vorsatz, Journalismus in einer jungen Demokratie verantwortungsvoll zu gestalten. Zu ihren Mitbegründern gehörten damals die KVer Otto Roegele und  P. Ivo Zeiger  SJ  (Nm-W). Auch heute arbeiten KVer in der GKP mit. Seit 2025 versieht das KV-Sekretariat die Sekretariatsaufgaben der GKP.

Die über fünfhundert Mitglieder kommen aus allen Bereichen weltlicher und kirchlicher Medien: Fernseh- und Zeitungsredakteure, Pressesprecher, Verleger, Kommunikationswissenschaftler, Volontäre und Studenten mit journalistischem Berufsziel.

Die GKP bietet die Möglichkeit zum offenen Gespräch unter Gleichgesinnten in einem konkurrenzfreien Raum und damit Orientierung in der journalistischen Arbeit. Neben beruflichen Kontakten entsteht durch die GKP auch ein Netz von gesellschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen quer durch die Generationen. Als Laienorganisation in der Kirche vertritt sie die Interessen ihrer Mitglieder in der kirchlichen und gesellschaftlichen Öffentlichkeit und nimmt Stellung zu publizistischen und medienpolitischen Fragen. Ihren Mitgliedern bietet die GKP Fortbildungen, Hintergrundgespräche, Einkehrtage, Reisen, internationale Begegnungen sowie die regelmäßig erscheinende Zeitschrift „GKP-Informationen” an.