Der K.St.V. Markomannia Münster feiert sein 125. Stiftungsfest

Reinhard Nixdorf (Nm-W)

Manche Feste sind Ereignisse eines Tages, andere bleiben noch lange als Erinnerung lebendig. Das 125. Stiftungsfest des K.St.V. Markomannia Münster gehörte zu dieser zweiten Art. Es waren Tage, an denen Geschichte nicht nur erinnert, sondern sichtbar und spürbar wurde: in den Begegnungen alter Freunde, in den Gesprächen zwischen den Generationen, im Klang der Bundeslieder und in der Freude darüber, Teil einer Gemeinschaft zu sein, die über Jahrzehnte hinweg trägt.

Große Erwartungen lagen in der Luft, als sich am 29. Mai die Türen des großen Saales im Hotel Mövenpick Münster für den Festkommers öffneten. Aus allen Richtungen waren Bundesbrüder, Freunde und Gäste nach Münster gekommen, um gemeinsam das Jubiläum einer Verbindung zu feiern, deren Geschichte seit 125 Jahren eng mit der Stadt, der Universität und dem Kartellverband verbunden ist. Junge Kartellbrüder kamen mit den älteren Generationen ins Gespräch. Alte Freunde begrüßten sich nach Jahren oder Jahrzehnten wieder: „Weißt Du noch wie es damals war?” 
Mehr als dreihundert Gäste waren dabei. Hinzu kamen fünfzig Vertreter aus fünfzehn befreundeten Korporationen: Gemeinsam mit den Chargen der Markomannia und des Vororts boten sie ein eindrucksvolles Bild. Souverän leitete Markomannias Aktiven-senior Johannes Tschich den Festkommers, der von Anfang an zeigte, was eine Verbindung über Generationen hinweg zusammenhält: Freundschaft, gemeinsame Werte und die Bereitschaft, Verantwortung füreinander zu übernehmen. 
Monika Grütters: „Kultur ist Ausdruck von Humanität”
Den Festvortrag hielt Prof. Monika Grütters, bis 2025 Abgeordnete des Deutschen Bundestags und von 2013 bis 2021 als Staatsministerin Beauftragte der Bundes-regierung für Kultur und Medien. Nachdem die Chargierten sie feierlich von ihrem Platz zum Rednerpult geleitet hatten, bemerkte sie augenzwinkernd, einen derart eindrucksvollen Auftakt habe selbst sie nach Jahrzehnten politischer Erfahrung selten erlebt. Vielleicht, so scherzte sie unter großem Beifall, sei dies sogar ein Vorbild für künftige Parteitage.
Monika Grütters knüpfte sodann an Heinrich Heines berühmte Verse über Deutschland als „Luftreich des Traums“ an: Deutschland sei zunächst Kulturnation und erst später politische Nation gewesen. 
Kultur habe in Zeiten politischer Zersplitterung Identität gestiftet und bilde bis heute eine unverzichtbare Klammer für den Zusammenhalt der Gesellschaft.
Nachdrücklich hob sie die im Grundgesetz garantierte Freiheit von Kunst, Wissenschaft und Forschung hervor. Gerade weil Kultur Freiräume benötige, dürfe sie nicht den wechselnden Strömungen des Zeitgeists oder politischen Zweckmäßigkeiten unterworfen werden. Der Staat habe nicht die Aufgabe, Kunst inhaltlich zu lenken, sondern ihre Freiheit zu sichern. Nur unter diesen Voraussetzungen könnten Kreativität, Innovation und gesellschaftlicher Fortschritt entstehen. Dabei wies Monika 
Grütters auf die einzigartige Dichte von Theatern, Orchestern und Museen in unserem Land sowie die wirtschaftliche Bedeutung der Kultur- und Kreativwirtschaft hin. Kultur sei keine Subvention, sondern eine Investition in die Zukunft. Sie schaffe Lebensqualität, ziehe qualifizierte Menschen an und stärke Städte und Regionen weit über den kulturellen Bereich hinaus.
Eine Demokratie brauche Künstler und Intellektuelle als kritische Stimmen. Kunst dürfe provozieren, Widerspruch hervorrufen und gesellschaftliche Debatten anstoßen. Gerade darin liege ihr Wert. Wo Kunst sich den Erwartungen politischer, religiöser oder gesellschaftlicher Gruppen unterwerfe, verliere sie ihre eigentliche Kraft. Deshalb müsse eine demokratische Gesellschaft Spannungen aushalten und den Raum der Kunstfreiheit entschlossen verteidigen.
Eindringlich würdigte Monika Grütters Münster als Kultur- und Friedensstadt. Das historische Rathaus erinnere bis heute an den Westfälischen Frieden und stehe wie kaum ein anderer Ort für Versöhnung, Toleranz und den europäischen Gedanken. 
Zugleich hob sie das reiche kulturelle Leben der Stadt hervor und dankte allen, die sich für Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren.
Nach dem Festvortrag dankte Markomannias Philistersenior Norbert Kalker allen Bundesbrüdern, die zum Gelingen des Jubiläums beigetragen hatten. Ein Fest dieser Größe, so wurde deutlich, entsteht nicht in wenigen Tagen, sondern durch viele Monate ehrenamtlicher Arbeit.

Dank an viele Helfer

Besonders genannt wurden die BbBb Dr. Paul Lodde für die Organisation des Festsaales, Dr. Markus Wittenberg für die Koordination der Chargenabordnungen und den Begrüßungsabend, Dr. Thomas Wilke für die Erstellung der Festschrift und Philipp Stottrop für seinen außergewöhnlichen Einsatz in der Vorbereitung des Jubiläums.
In seinen abschließenden Gedanken knüpfte der Philistersenior an die Ausführungen von Monika Grütters zur Freiheit der Kunst und zur Bedeutung einer offenen, toleranten Gesellschaft an. Dabei stellte er, mit Blick auf das Prinzip „Religio“ eine Verbindung zum Leitwort des Katholikentages her: „Hab Mut, steh auf!“ Dieses Wort sei gerade in schwierigen Zeiten eine Aufforderung, Verantwortung zu übernehmen und sich für Frieden, Freiheit und Menschenwürde einzusetzen. Eine Verbindung könne nicht allein durch die Bewahrung von Tradition bestehen; sie müsse ihre Werte in der Gegenwart leben. Mit einem Zitat des Philosophen Karl Popper schloss er seine Gedanken: „Es gibt keine vernünftige Alternative zum Optimismus.“ Dieser Optimismus sei keine Naivität, sondern die Voraussetzung dafür, Herausforderungen anzu- nehmen und Zukunft aktiv zu gestalten.

Eine Verbindung in Kirche und Gesellschaft

Die anschließenden Grußworte machten deutlich, dass der K.St.V. Markomannia nicht nur auf seine eigene Geschichte blickt, sondern als Teil von Kirche und Gesellschaft wahrgenommen wird.
Kb Dr. Dr. Antonius Hamers (Wh, Mk, Rhein), scheidender Diözesanadministrator des Bistums Münster, dankte den Mitgliedern katholischer Korporationen für ihren Einsatz in Kirche und Gesellschaft und ermunterte sie, dies weiter zu tun. Das Motto „Hab Mut, steh auf!“ finde seine eigentliche Mitte in der Aufforderung: „Christus ruft Dich!“

Kb Dr. Bernd Schulte (Mk), Amtschef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei und Staatssekretär, überbrachte die Grüße der Landesregierung und des Minsterpräsidenten von Nordrhein-Westfalen. Er hob besonders die Bedeutung der Verbindungen als Orte demokratischer Kultur hervor. Im Konvent lerne man, unterschiedliche Meinungen auszuhalten und dennoch gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Mit Blick auf das bekannte Diktum des 2019 verstorbenen Staatsrechtlers, ehemaligen Verfassungsrichters und KVers Prof. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde (Hs) erinnerte er daran, dass ein freiheitlicher Staat von Menschen lebe, die bereit seien, sich einzubringen. Verbindungen könnten solche Haltungen einüben.
Dr. Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, erinnerte an Kb Dr. h.c. Bernhard Salzmann (Mk), einen bedeutenden Gestalter der westfälischen Selbstverwaltung nach dem Zweiten Weltkrieg. In der Markomannia war er in der entscheidenden Phase der Reaktivierung nach 1952 Philistersenior und damit eine der prägenden Gestaltung der Verbindung. Sein Beispiel stehe für Verantwortungsbereitschaft und den Willen, in schwierigen Zeiten nicht zu warten, sondern  aktiv zu werden und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Kb Dr Markus Wittenberg (Mk, Li, AR, Smn, Urb, E Wk, E Eck), Vorsitzender des KV-Rates, sah im Jubiläumskommers selbst ein Signal der Ermutigung. Ein Saal mit mehr als dreihundert Menschen und zahlreichen Chargierten zeige, welche Kraft katholische Korporationen entfalten könnten, wenn sie ihre Überzeugungen sichtbar lebten.
Auch der Vorortspräsident des KV, Kb Nikolaus Schmid (Ott), würdigte das Engagement der Markomannia. Die Verbindung bringe sich besonders aktiv in die Arbeit des Verbandes ein.
Einen besonders herzlichen Moment bildete der Gruß der Mutterverbindung K.St.V. Germania zu Münster. Als Geschenk überreichte sie ein Bild Münsters im Morgenlicht, auf dem die Farben der Türme und des Himmels an Markomannias Farben erinnerten. Der Applaus zeigte, wie sehr dieses Geschenk den Geist des Jubiläums traf.

Ein Jubiläum mit Blick nach vorn

Nach dem offiziellen Ende des Kommerses war der Abend noch lange nicht beendet. Im Foyer des Hotels wurden Gespräche fortgesetzt, Gläser erhoben und Erinnerungen geteilt. Viele Gäste kehrten anschließend noch zum Markomannenhaus im Kreuzviertel zurück.
Dort zeigte sich besonders deutlich, was den Lebensbund ausmacht: Studenten von heute und Bundesbrüder, deren aktive Zeit Jahrzehnte zurückliegt, begegneten sich als Teil derselben Gemeinschaft.
Der Familiennachmittag am folgenden Tag setzte diesen Gedanken fort. Kinder, Enkel und Familien machten sichtbar, dass eine Verbindung nicht nur Vergangenheit verwaltet, sondern Beziehungen schafft, die Generationen überdauern. Und der Festgottesdienst im St. Paulus-Dom bot Gelegenheit, auf die Festtage zurückzublicken und für die erfahrene Gemeinschaft und Freude zu danken.
So war das 125. Stiftungsfest des K.St.V. Markomannia Münster nicht nur Rückblick, sondern ein lebendiges Zeichen dafür, dass Tradition Zukunft hat, wenn Menschen sie gemeinsam gestalten: 125 Jahre Markomannia sind kein Abschluss einer Geschichte, sondern ein lebendiger Abschnitt auf einem Weg, der weitergeht.