Gemeinsam stärker – ohne Eigenständigkeit aufzugeben

Im Interview spricht der KV-Vorortspräsident Nikolaus Schmid (Ott) über die Entstehung des Münchner Verbändeabkommens, den Weg zum Konsens und seine Vision für die Zukunft katholischer Studentenverbände

Das Ganze war ein Zusammenspiel verschiedener Gründe. Einer ergab sich aus dem Austritt von CV und UV aus dem EKV, dem Europäischen Kartellverband, womit eine gemeinsame größere Arbeitsebene entfiel. Außerdem befanden sich 2025/26 die Vororte von UV, CV und KV alle in München. Der CV hat seinen Vorort zwar de jure in Rom, de facto aber in München, da David Piepenberg, der Verbandspräsident des CV, Zweitband-Aenane ist und auch auf dem Haus der Aenanen wohnt. Nachdem ich zum Vorortspräsidenten des KV gewählt worden war – von den drei Verbänden wählt der KV sein Vorortspräsidium immer als Letzter –, sagten wir: Diese räumliche Nähe müssen wir für eine engere Zusammenarbeit nutzen. Denn es ist eher unwahrscheinlich, dass die Vorortspräsidien von KV, CV und UV noch einmal gleichzeitig in derselben Stadt sein werden.

In welchen Punkten bei der Formulierung des Verbändeabkommens war es besonders schwierig, einen Konsens zu erzielen? Stand das Projekt während der Gespräche vielleicht sogar einmal auf der Kippe?
Ehrlich gesagt hat mich besonders überrascht, wie wenig Meinungsverschiedenheiten es gab. Das Münchner Verbändeabkommen baut auf dem bereits beste- henden Verbändeabkommen zwischen CV, SchwStV und ÖCV auf, das wir als Grundlage übernommen haben. Deshalb mussten wir nur einzelne Formulierungen anpassen, ergänzen oder streichen. Das Projekt stand daher zu keinem Zeitpunkt ernsthaft auf der Kippe.

Wie gelingt es, die Eigenständigkeit der drei Verbände zu bewahren und zugleich enger zusammenzuarbeiten?
Genau dafür enthält das Abkommen zahlreiche Sicherungen. Immer wieder wird ausdrücklich festgehalten, dass die Rechte des jeweiligen Urverbandes beziehungsweise der Urkorporation unberührt bleiben. Gerade bei Sondermitgliedschaften ist die Zustimmung der jeweiligen Urverbindung erforderlich. Jeder Verband behält also jederzeit die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.
Das Abkommen schafft deshalb keine Zentralisierung, sondern einen verlässlichen Rahmen für freiwillige Zusammenarbeit. Ein gutes Beispiel ist die KKM e. V. – die Katholischen Korporationen München. KV, CV und Unitas organisieren dort seit Jahren erfolgreich gemeinsame Veranstaltungen wie die Odeonskneipe oder den Gaudeamusball. Man nutzt gemeinsame Stärken, ohne die eigene Identität aufzugeben.

Was möchtest Du Kartellbrüdern sagen, die dem Entwurf des Abkommens möglicherweise noch skeptisch gegen überstehen?
Aus Sicht des KV ist dieses Abkommen ein klarer Gewinn. Wir geben keine Rechte ab, sondern schaffen zusätzliche Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Für den KV ist dafür nicht einmal eine Satzungsänderung erforderlich. Gerade deshalb würde ich Skeptiker ermutigen, das Abkommen unvoreingenommen zu lesen. Es eröffnet Chancen, ohne bestehende Strukturen infrage zu stellen.

Welcher Moment hat Dir gezeigt, dass aus der Idee tatsächlich eine Übereinkunft werden könnte?
Das war die Diskussion auf dem Aktiventag. Ursprünglich wollten wir das Abkommen dort bereits beschließen. Während der Debatte wurde jedoch deutlich, dass einige Mitglieder noch Fragen und Änderungswünsche hatten. Deshalb entschieden wir uns bewusst dafür, den Entwurf zunächst zu veröffentlichen und ein Jahr Zeit für Diskussion und Reflexion zu geben.
Ich war mit der Erwartung in die Sitzung gegangen, mich zunächst umfangreich rechtfertigen zu müssen. Tatsächlich waren die Rückmeldungen aber überwiegend konstruktiv. Viele Änderungsvorschläge waren nachvollziehbar und konnten gemeinsam mit den Vorortspräsidenten eingearbeitet werden. Andere Fragen ließen sich schnell beantworten. Spätestens da hatte ich den Eindruck, dass aus der Idee tatsächlich ein gemeinsames Projekt werden konnte.

Wenn das Münchner Verbändeabkommen bei KV, CV und UV umgesetzt wird: Was würdest Du Dir wünschen, was ein Aktiver im Jahr 2035 darüber sagt?
Ich wünsche mir, dass das Abkommen bis dahin selbstverständlich geworden ist und sich im Alltag bewährt hat. Noch wichtiger wäre mir allerdings, dass sich das Verhältnis der Verbände zueinander nachhaltig verändert hat: dass gegenseitige Vorbehalte verschwunden sind, man einander mit größerer Wertschätzung begegnet und Zusammenarbeit als Normalität versteht.

Die Fragen stellte Kb Reinhard Nixdorf.