Klimafragen und Schöpfungsverantwortung
Allein kann keiner das Klima retten. So unbestritten diese Einsicht ist, so wenig darf sie einzelne dazu verleiten, ihre Schöpfungsverantwortung zu missachten. Denn „alles hängt mit allem zusammen", hat Papst Franziskus in seiner Enzyklika „Laudato Si" erklärt. Deshalb fragt eine christliche Schöpfungsethik nach der Verantwortung des einzelnen ebenso wie nach der Verantwortung, die Gruppen und Institutionen für Umwelt und Natur übernehmen müssen - auch wenn es den Anschein hat, als wolle die Mehrheit nicht erkennen, was auf dem Spiel steht.
Im April, bei der Veröffentlichung des Weltklimaberichts, fand UN-Generalsekretär Antonio Guterres drastische Worte. Hatte Guterres schon vorher, angesichts des Artensterbens, von einem „Krieg gegen die Natur“ gesprochen, warf er jetzt Regierungen und Unternehmen Verlogenheit vor: „Sie sagen das eine und tun das andere.“ Der neue Weltklimabericht sei ein „Katalog der leeren Versprechungen, die uns entschieden auf einen Pfad zu einer unbewohnbaren Erde bringen.“
„Sie sagen das eine und tun das andere!”
Dabei sind die Fakten sattsam bekannt: Auf der ganzen Welt steigen die Temperaturen. Wenn es nicht gelingt, den Anstieg der Erwärmung bei zusätzlichen 1,5-Grad zu begrenzen, wozu sich auch Deutschland 2015 bei der Weltklimakonferenz in Paris verpflichtet hat, dann bewirkt jedes weitere Zehntel Grad immer heftigere Hitzewellen und Dürren, dann drohen immerwütendere Tornados, Starkregen und Überflutungen. Dann verstärkt sich eine Entwicklung, in deren Folge immer mehr Gebiete unbewohnbar werden und Menschen deshalb ums Leben kommen, vor allem in Regionen, deren Bewohner am wenigstens etwas zu der durch den CO2-Ausstoß verursachten Klimakrise beigetragen haben.
Dass die Klimakrise längst auch in unseren gemäßigten Breiten angekommen ist, dürfte seit den Hochwasserkatastrophen im Ahrtal und im Berchtesgadener Land 2021 und Hitzesommern bis über 40 Grad klar sein. Was entsteht, wenn Klimaschutz den „Profis überlassen wird“ – wie es Christian Lindner, Finanzminister und Porschefreund, einmal diffamierend von den Jugendlichen von Fridays for Future verlangte - jetzt zeigt es sich.
Wenn Verhalten und Handeln nicht zur Wahrnehmung passen
„Er ist real. Wir sind die Ursache. Er ist gefährlich. Die Fachleute sind sich einig. Wir können noch etwas tun.“ Mit diesen Worten haben sechs Institutionen aus Klimaforschung und -kommunikation vor einiger Zeit in einem Übersichtspapier den aktuellen Wissensstand rund um die menschengerechte Erderhitzung zusammengefasst. Noch gibt es Hoffnung auf eine Wende - falls, ja falls die Menschen ihr Verhalten als Individuen und als Gesellschaft ändern würden. Bloß passiert eben nicht genug. Gesagt wird das eine - getan das andere. „Kognitive Dissonanz” nennt das die Psychologie.
Mit „kognitiver Dissonanz” ist eine Situation gemeint, bei der das Verhalten und das Handeln eines Menschen nicht zu dem passt, was er eigentlich wahrnimmt. Im Ringen um das Gelingen seines eigenen Lebens wird der Mensch von der Wirklichkeit immer wieder genötigt, Stellung zu nehmen und sein eigenes Seinkönnen zu erkunden, planen und zu gestalten. Wenn der Mensch diese Forderung ignoriert und die Wahrnehmungen und Signale für sein Handeln ausblendet, die sich ihm aus der Wirklichkeit erschließen, wenn er also gar nicht daran denkt, sich wirklichkeitsgerecht zu verhalten, entsteht eine kognitive Dissonanz.
Anschaulich hat die Journalistin Petra Binzler in der Zeit-online die kognitive Dissonanz am Beispiel notorischer Raucher illustriert.(1) „Die meisten Raucher”, schrieb sie dort, „wissen, dass das Rauchen eine Sucht ist und die Wahrscheinlichkeit steigert, krank zu werden. Weil diese Erkenntnis aber unangenehm ist – wer fühlt sich beim Zug an der Kippe schon gerne als Süchtiger? –, verdrängen viele Raucher die negativen Folgen einfach. Oder sie erfinden alle möglichen vermeintlichen Erklärungen dafür, dass ihr Verhalten doch gar nicht schlimm ist. Die klingen dann beispielsweise so: Helmut Schmidt ist 96 Jahre alt geworden, obwohl er immer geraucht hat. Man sieht also, dass die Gesundheitswarnungen gar nicht zutreffen müssen. Oder: Ich rauche, aber dafür jogge ich auch. Das eine hat zwar nichts mit dem anderen zu tun, joggen hilft nicht gegen Lungenkrebs – aber sportlich sein fühlt sich eben gesund an. Oder: Ich könnte, wenn ich wollte, mit dem Rauchen jederzeit aufhören. Ich will aber nicht.”(2)
Immer gehe es bei diesen Erklärungen darum, die Sucht nicht mehr als unangenehm zu empfinden und die Dissonanz aufzulösen, folgerte Petra Binzler. Ähnlich reagierten auch viele Leute, wenn sie mit der Klimakrise konfrontiert würden. Explizit leugnen lasse sich die Klimakrise nicht mehr, dazu sei die Faktenlage einfach zu eindeutig, zu dramatisch und unwiderlegbar, aber viele Leute versuchen, die Bedeutung dieser Fakten zu relativieren, um schlussendlich am eigenen Handeln nichts ändern zu müssen(3) - getreu dem Kölschen Motto, dass es noch immer gut gegangen sei.
Kein Defizit bei der Begründung, sondern bei der Willensbildung
„Wir sind kollektiv in Gewohnheiten, Denkmustern und Strukturen gefangen, die uns oft daran hindern, das ökologisch Vernünftige zu tun”, hat Markus Vogt, Sozialethiker an der Ludwig-Maximilians-Universität München, in diesem Zusammenhang bemerkt. „Für die Ethik geht es dabei nicht primär um ein Begründungsdefizit, sondern vor allem um Herausforderungen der kollektiven Willensbildung und Handlungsermöglichung.”
Wenn die Tatsachen also offenkundig sind, dann scheint es nicht am Wissen zu liegen, weshalb eine Umsetzung eines Klimaschutzes, die gegen die Krise wirklich etwas ausrichten kann, offensichtlich in weiter Ferne liegt: Wie also kommen wir aus der kognitiven Dissonanz heraus? Was ist zu tun, dass wir nicht nur um den Klimawandel wissen, sondern auch entsprechend handeln?
Manches jedenfalls erscheint für den Einstieg in die viel beschworene Transformation gar nicht so schwierig, etwa die Umsetzung eines Tempolimits in Deutschland. Sieht man einmal vom Spaß am Rasen mit 180 Stundenkilometern ab, woran aber auch nicht jeder seine Freude hat, muss eigentlich niemand auf irgendetwas „verzichten”, wenn er ein wenig langsamer unterwegs ist. Auch würde ein Tempolimit – neben anderen Effekten – zu Einsparungen bei den deutschen CO2-Emissionen führen, die über den jeweiligen jährlichen Ausstoß über der Hälfte der Länder der Erde liegt, sodass sich damit auch ein Stück globale Gerechtigkeit schaffen ließe.
Auch an anderen Stellen könnten schon mit „moderaten Umstellungen ihrer individuellen Gewohnheiten... im Kampf gegen den Klimawandel mehrere Millionen Tonnen CO2 einsparen“, rechnete vor einiger Zeit das unternehmernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) vor. Die Halbierung von Lebensmittelabfällen etwa würde sechs Millionen Tonnen CO2 bedeuten, ein Fünftel weniger Fleisch zu kaufen ermöglichte ein Einsparpotenzial von fast zehn Millionen, ein Fünftel weniger neue Kleidung zu kaufen (entspricht im Schnitt elf Kleidungsstücken) liefe auf das Einsparpotenzial von rund zwölf Millionen Tonnen CO2 hinaus.
Wissen muss „unter die Haut gehen”
Entscheidend ist aber eine Motivation aufgrund des Wissens in die Veränderung. Damit es handlungsleitend und wirksam werden könne, müsse Wissen „unter die Haut gehen”, schrieb der Neurobiologe Gerald Hüther. Wissen um die bedrohte Schöpfung muss mehr sein als eine bloße theoretische Kenntnis von Zusammen-hängen, sondern Wissen, das betroffen macht und zum Handeln antreibt. Und, folgerte Kristina Kieslinger, Leiterin der Arbeitsstelle Theologie und Ethik beim Deutschen Caritasverband in Freiburg, 2021 in einem Beitrag zur Zeitschrift „Christ in der Gegenwart”: „Gehört es nicht gerade zum christlichen Glauben, sich betreffen zu lassen?”(4) Denn nur wenn sich der Mensch das Leid von Mensch und Tier aufgrund des von ihm verursachten Klimawandels zu eigen mache, sei Schöpfungsverantwortung keine bloße Phrase.
Es gehe darum, die Einsicht, dass alles auf dieser Erde mit allem verbunden ist, nicht nur zu wissen, sondern auch zu empfinden, wie es Papst Franziskus in der Enzyklika Laudato Si (LS 91) ausdrücke. Diese ökologische Umkehr aufgrund einer tiefen Betroffenheit über das Leiden der Schöpfung verändere Einstellung und Handeln. Und ist es so abwegig, zu dieser Betroffenheit zu gelangen? Stellt sich persönliche Betroffenheit nicht bereits beim Blick auf die eigenen Kinder, die junge Generation, ein? Ihnen ist die ältere Generation einen ökologischen Wandel schuldig - damit die junge Generation von heute künftig nicht von Klimakatas-trophen heimgesucht wird, für die sie nicht verantwortlich ist.
Dann, folgerte Kristina Kieslinger, sei Klimaschutz keine Frage von Geboten und Verboten mehr - auch wenn ordnungspolitische Maßnahmen angesichts der Lage dringend nötig seien - „sondern eine Erkundung dessen, wer ich sein möchte: Woran möchte ich mein Leben ausrichten?”(5) Hier könne der Gedanke, sich positiv auf das Wesentliche zu beschränken, einen wertvollen Beitrag leisten. „Denn er hilft bei der Auseinandersetzung damit, was ich zu einem guten Leben wirklich brauche: Nicht viel zu besitzen, sondern gelingend zu leben, ist das Ziel. Wenn ich diese Fragen positiv und im Bewusstsein um die Verbundenheit mit allem beantworten kann, verschwindet das scheinbare Schreckensszenario des Verzichts”.(6)
Strukturelle Zwänge, gesellschaftliche Ungerechtigkeit
Dass es naiv sei anzunehmen, der Einzelne habe es allein in der Hand, dass sich etwas verändert, gesteht Kristina Kieslinger zu. Nicht nur der Einzelne müsse sich fragen, wie er künftig leben wolle, sondern die Gesellschaft insgesamt. Auch der Versuch, nach ökologischen Kriterien zu handeln, sei in vielfältige Zusammenhänge eingebunden und diese ließen etwa bei Konsumentscheidungen vielfach nur das geringere Übel zu: „etwa, ob ich die konventionelle Gurke oder die Bio-Gurke in der Plastikverpackung kaufe.”(7)
Mit dieser strukturellen Verflechtung stellt sich die Frage der gesellschaftlichen Ungleichheit. Es gibt mehr als genug ärmere Menschen und Haushalte in prekären Lebenslagen, die bereits jetzt unter den Folgen der Klimakrise leiden. Dabei tragen sie durch ihren Lebensstil viel weniger zur Klimakrise bei als ihre gut betuchten Mitbürger. Ärmere Leute leben ja bereits klimaneutral - notgedrungen; denn ihnen stehen gar nicht Mittel zur Verfügung, die ein klimaschädliches Verhalten erlauben würden. Sie müssen beengt in schlecht isolierten Wohnungen leben, müssen voraussichtlich beim Heizen sparen, fliegen nicht in den Urlaub und können sich erst recht kein hochsubventioniertes E-Auto leisten, das dann sowieso bloß eine eher fragwürdige Klimabilanz vorweist.
Von armen Menschen am Rand der Gesellschaft angesichts des Klimawandels Verzicht und Einschränkung zu fordern, ist zynisch, genau wie der Versuch, Klimaschutz gegen soziale Gerechtigkeit auszuspielen - nach dem Motto ..Erst die Wirtschaft, dann der Mensch". Nötig sind gerechte Strukturen, die allen Mitgliedern der Gesellschaft ein gutes Leben und gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.
Christen sollten angesichts der Bedrohungen durch die Klimakrise nicht in wilden Aktionismus verfallen, aber erst recht nicht in Gleichgültigkeit oder Resignation. Denn am Ende aber gibt es, wie bei einem Tischtuch, so viele Enden, um zuzufassen und für Veränderung zu sorgen, dass jeder mittun kann. Und darauf kommt es an. Denn Hoffnung stellt sich nicht ein, wenn wir sie beschwören oder darauf warten, dass sich von selbst irgendetwas ändert. Hoffen ist eine Praxis. Sie entsteht, indem wir uns - im Vertrauen auf Gott - einsetzen und handeln - und das am besten gemeinsam, mit anderen zusammen.
Reinhard Nixdorf (Nm-W)
Anmerkungen:
(1) Petra Bienzler, Hilfe, wir brauchen eine Therapie, in. Zeit-online, 11. August 2022,
(2) Petra Bienzler, a.a.O.
(3) A.a.O.
(4) Kristina Kieslinger, Klimaschutz: Ökologisch umkehren, in: Christ in der Gegenwart 39 (2021),
(5) Kristina Kiesliner, a.a.O
(6) A.a.O.
(7) A.a.O.

Mehr Nachhaltigkeit im Sektor Medizin
In meinem Werdegang sammelte ich in diversen Pharmaunternehmen erste Berufserfahrungen in der Medikamentenherstellung: von ersten Tätigkeiten, die einem technischen Assistenten entsprachen, über die fachliche Führung als Prozessingenieur, bis zu meiner jetzigen Stelle als Supervisor in der Packmittelgruppe in der Wareneingangskontrolle. Neben dem Licht beeindruckender Anlagen und Systeme sah ich auch viel Schatten. Trotz des Leitspruchs „ein idealer Prozess ist ein nachhaltiger Prozess“ wurde Nachhaltigkeit oft nicht gewahrt, da wichtige Innovationen aufgeschoben worden sind - was nicht ohne Folgen für die Zukunft bleiben könnte.
Bemerkbar macht sich dies in der Zeit des Klimawandels, wenn man den CO2-Abdruck des Sektors Medizin betrachtet. Nach einer Studie von 2019 verursacht der Medizinsektor etwa fünf Prozent (weltweit 4,4; Deutschland 5,2 Prozent) des weltweiten CO2 Ausstoßes - der stark angefochtene Flugverkehr sorgt nur für drei, die Schifffahrt nur für zwei Prozent.
Woher rührt diese hohe Belastung? Beginnen wir mit der Abkürzung GMP. Diese steht für „Good Manufacturing Practice”, zu deutsch „Gute Herstellungspraxis”, womit die korrekte, dokumentenechte, nachvollziehbare Dokumentation während der Herstellung von Medikamenten beschrieben wird. Das Ausmaß der Dokumentation macht 50 Prozent der Produktion aus. Was nicht ordnungsgemäß dokumentiert wurde, ist per se nicht erfolgt. Mitunter heißt es deshalb auch, GMP bedeute nichts weiter als Große Mengen Papier, mit dem Ergebnis einer gigantischen Masse an Dokumenten. Idealerweise verbucht man diese Dokumentationen in einem digitalen System, doch zeigt die Praxis, dass ein manipulationssicheres digitales System meist nicht vollwertig implementiert wurde. Anstelle einer voll-ständigen Digitalisierung wurden nur einzelne Bereiche teildigitalisiert. Folge: Um modernste Produktionseinrichtungen herum stapeln sich reihenweise Ordner, die viel Platz benötigen und feuerfest archiviert werden müssen - für einen Zeitraum von bis zu zwölf Jahren.
Aber nicht nur bei der Dokumentation gibt es einen hohen Aufwand an Energie und Ressourcen, sondern auch bei den Artikeln, die Krankenhäuser und Kliniken benötigen. Mit dem Verbrauch von Masken, Handschuhen, Skalpellen, Silikonschläuchen und speziellen Plastikbeuteln, mit Einwegbioreaktoren und anderen gammasterilisierten und autoklavierten Single-Use-Materialien fällt viel Müll an. Viel davon kann wegen drohender Kontamination nicht recycelt werden und wandert in die Müllverbrennung. Zudem nehmen viele Pharmaunternehmen den hohen Recycling-Aufwand nicht in ihr System auf; oft kommt recycelbares nicht dort an, wo es hinkommen sollte. Viel Energie wird bei der Produktion von Medikamenten benötigt - etwa für den Betrieb von Reaktoren oder Anlagen in der Qualitätskontrolle und Verpackung. Auch ist zur Wartung und Reinigung aller Anlagen und Schläuche ein hohes Maß an heißen Laugelösungen, höchst aufbereitetem Reinstwasser und eine große Menge Wasserdampf zur Sterilisation nötig - alles sehr energieaufwändig.
Viel Strom wird in ausgeklügelten Lüftungssystemen benötigt, um die sterilen Reinräume sauber und kontaminationsfrei zu halten. Folgt man Statistiken, betrug der Energieverbrauch aller Pharmaunternehmen in Deutschland 2018 fast 43.000 Terajoule. Im Vergleich betrug dieser Wert etwa das 20.000-fache des Stromverbrauchs aller Haushalte in Deutschland, bei aktuell gerade fünfzig Prozent CO2- neutralen Energiequellen. In erneuerbare Energien aber wird nicht genug investiert.
In der Lieferkette zur Erzeugung von Medikamenten und Medizinprodukten wird viel Treibhausgas freigesetzt. Aufgrund von Kostensenkungen wurden viele Zulieferfirmen von wichtigen Verbrauchsgütern ins Ausland ausgegliedert. Wirkstoffe, die teuer im eigenen Land hergestellt wurden, konnten so günstig im Ausland erzeugt werden. Diese Strategie hat nicht nur den Ausstoß von Treibhausgasen im Lieferverkehr gesteigert, sondern auch globale Abhängigkeiten geschaffen. Dies zeigte sich in der Corona-Pandemie, in deren Folge es zu fatalen Lieferengpässen auch für Krankenhäuser und Apotheken kam. Aufgrund des Ukrainekriegs bleibt die Lage angespannt.
Ein weiteres Problem: Viele Wirkstoffe von Medikamenten gelangen verstoffwechselt oder auf andere Weise in die Umwelt und reichern sich in Böden und Flüssen an. So ist selbst unsere pflanzliche Ernährung nicht von Wirkstoffrückständen befreit. Potentielle Effekte sehen wir bereits in der Ausbildung von multiresistenten Keimen durch einen zu sorglosen Umgang mit Antibiotika in der Humanmedizin, aber auch in der Veterinärmedizin bei der Erzeugung von Fleischprodukten.
Dennoch sehe ich auch Chancen auf Besserung und Nachhaltigkeit in der Medizintechnik. Die Pandemie forcierte Bestrebungen, wichtige Wirkstoffe wieder regional herzustellen, sodass lange CO2- intensive Lieferwege entfallen. Auf den hohen Energieaufwand regieren immer mehr Pharmaunternehmen mit dem Bau eigener zwar noch gasbetriebener Blockheizkraftwerke zur eigenen Energie- und Wärmegewinnung. Zwar beruht das verbrannte Gas immer noch aus fossilen Brennstoffen, doch erweisen sich diese Kraftwerke als effizienter und können mit weiteren Investitionen CO2 neutral umgerüstet werden.
Immer mehr Anbieter bemühen sich um eine manipulationssichere digitale Erzeugung und Speicherung von GMP-konformen Dokumenten. Dieses Angebot nehmen mehr und mehr Unternehmen an und steigen auf ein ressourcenschonenderes System um. Auch werden immer mehr Mitarbeitende geschult, das Recyclen in die Prozessoptimierung mit aufzunehmen. Einzig die Problematik bezüglich freiwerdender Wirkstoffe in der Umwelt wird vorerst noch ein Problem bleiben. Aber durch Forschung und Erstellung abbaufähiger Wirkstoffe oder neuer Aufbereitungsmethoden gibt es Aussicht, dieses Problem bald zu lösen.
Markus Beß (Nm-W)



